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Die Ludwigsbrücke in München

Von: methodikus@googlemail.com [Profil]
Datum: 18.07.2008 08:16
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Die Ludwigsbrücke in München
Author Selzer-McKenzie
Eine großartige stattliche Brücke ist eines der anziehendsten
Bauwerke, sie überrascht den Fremden, der sie zum ersten Mal betritt
und verkündet ihm die Pracht und Herrlichkeit der Hauptstadt."

uf der „alten Straße nach Wien" (heute In-nere Wiener Straße) und am
Gasteig vor¬bei, liegt die Brücke, mit der die Geschichte der Stadt
begann: Die Ludwigsbrücke. Heinrich der Löwe ist gerade 26 Jahre alt,
als er die Brücke des Bischofs von Freising niederbrennen, die Salz-
und Zollstraße umleiten und die neue Isarbrücke er¬bauen lässt. Und
so
es ist diese Brücke, die der Stadt München ihr Dasein gibt, denn auf
einer Strecke von 20 Stunden flussauf- und flussab-wärts führt kein
anderer Weg über die Isar. Ent¬sprechend hoch das Verkehrsaufkommen:
1370 rollten allein von Reichenhall 6.000 Wagen mit et¬wa 150.000
Zentner Salz in die Stadt. 25 Jahre spä¬ter passierten knapp 30.000
schwere Pferdefuhren die Isarbrücke, 100 Jahre später schon 80.000
Fuh¬ren. Um das hohe Verkehsaufkommen zu bewerk¬stelligen, wird die
Brücke mit Granitsteinen ge-pflastert, wenn auch nur einseitig. Die
schwer be-ladenen Fuhrwerke fahren auf der gepflasterten Seite, die
leeren auf der ungepflasterten. Da München sich unaufhörlich
vergrößert, wird eine Sicherung der Stadt notwendig. Auf Seiten des
Gasteigberges entsteht ein Wachturm, auf der anderen Seite die
Stadtmauern, ebenfalls mit Türmen und Toren, fertiggestellt 1337.
Direkt an

der Stadtseite der Isarbrücke entsteht ein Wehrturm, der Rote Turm,
dessen farbiger Anstrich „Zeichen der Gerichtsbarkeit der Stadt" ist.
Doch das alles schützt nicht: 1632 nehmen die schwedischen Eroberer
unter König Gustav Adolf am Isarhochufer Aufstellung ein und drohen
über alle Mauern hinweg die Stadt zu beschießen. München ergibt sich
kampflos. Für den Abzug sei¬ner Truppen fordert der König 450.000
Gulden -eine unglaubliche Summe. Kaum sind die Schweden weg, beginnt
1704 der spanische Erbfolgekrieg und dieses Mal besetzen kaiserliche
österreichische Truppen die Stadt. Eine Herrschaft wie ein Alptraum,
weshalb die Bauern den Aufstand planen. Statt der erwarteten 20.000
Mann sind es allerdings am Ende nur 700, die auf die Stadt
zumarschieren. Ein Teil von ihnen besetzt den Roten Turm, um dort
statt der Unterstützung von sympathisierenden Städter einen Angriff
von zwei Seiten erleben zu müssen. Alle werden ermordert, der Kopf des
Mitbeschwö¬rers Georg Küffler zur Abschreckung am Roten Turm
aufgespießt. Eine erfolglose, aber keine unvergessene Aktion: So zeigt
das Gemälde Franz von Defreggers „Die Erstürmung des Rothen Turms" al
s
Mittelpunkt Balthasar Meyr, auch Schmid von Kochel genannt, beim Sturm
auf den Roten Turm.
Was folgt, sind weitere Kriege, Eroberungen und Terror.   1742
marschieren   die   Ungarn   unter General Bernklau ein, ziehen wenige
Monate spä¬ter wieder ab, um schon ein Jahr später wieder vor I den
Toren der Stadt zu | stehen und beim zwei¬ten Verlassen der Stadt 1744
zum Abschied die Isarbrücke  anzuzünden. Kaum zwei Jahre später
treffen an selber Stelle wieder verfeindete Ver¬bände  aufeinander:
Die „condeischen Truppen", mit    dem    österreichi¬schen
Herrscherhaus verbündet,     und      die Revolutionstruppen von
General  Moreau. Wäh¬rend   die   Kaiserlichen
sich am östlichen Ufer einrichten, besetzen die Republikaner das
westliche Ufer vor dem Isartor und errichten eine Stellung am Roten
Turm. Kurzerhand sperrt der Prinz von Conde die Brücke und schneidet
damit den Münchnern die Lebens-mittelversorgung aus dem Osten ab. Ein
erbitter¬ter Kampf beginnt, französische Scharfschützen zielen gekonn
t
aus dem Roten Turm, was die Kaiserlichen so erbost, dass sie den Turm
kom¬plett zusammenschießen.
Krieg und Militär, Prunk und Glanz
Dass München schon damals Glamour-Metropole war, zeigt sich
mannigfaltig bei den Konvois über die Isarbrücke. Beispielsweise 1652,
als eine schwarze Kutsche, begleitet von 1.000 Personen die Brücke
überquert. Keine Geringere als die Prinzessin von Savoyen" rollt an,
auf dem Weg zur Hochzeit mit dem Kurfürsten Ferdinand Maria. 1782
quert Papst Pius VI, die Brücke. Reich ge¬schmückte Wagen,
farbenprächtige Uniformen und die berittene Kavallerie begleiten
seinen Ein¬zug und versetzen das Publikum in Staunen. Den wohl
prächtigsten Auftritt aber erlebt München 1530, als Kaiser Karl V.
erwartet wird. München sorgt für bombastische Kulissen, lässt eine
Burg als Theaterkulisse erbauen und inszeniert eine Schlacht als
Schauspiel - mit Akteuren, die so viel Engagement an den Tag legen,
dass gleich 10 von ihnen wirklich ihr Leben geben. Beim Zug über die
Isarbrücke führen große Schwerter und kai¬serliche Kronen auf
ellenlangen Säulen die Parade an, folgen Pauken und Trompeter, Reiter
in Me-tallrüstungen, 500 Pferde, deren Köpfe mit Eisen-helmen
geschützt sind. Goldene Ketten und ver-goldete Waffen blitzten, ein
riesiger fliegender Drache aus Papier erhebt sich in die Lüfte,
beglei¬tet von einem Heer von Tauben.
Der Bierpfennij;
Jahrhundertelang treffen Freud und Leid auf der Isarbrücke zusammen.
So auch am 13. September 1813, jenem herrlichen Sommertag, an dem alle
Bürger auf dem Weg zu den Gartenwirtschaften sind als sie von einem
heftigen Gewitter über¬rascht werden. Überflutungen und ein reißend
er
Strom, der nicht nur die Isarbrücke mit sich nimmt, sondern auch viele
menschen. Eine Tragö¬die, die Kronprinz Ludwig kein zweites Mal erle-
ben will. 1817 plant er eine komplett steinerne Brücke, die Baumeister
Leo von Klenze in die Tat umsetzen soll: „Einmal soll München eine
steiner-ne Isarbrücke statt der eingestürzten bekommen, auf beiden
Seiten mit kolossalen Statuen geziert, breit genug für Frachtwagen,
Fußgänger und Schubkarren." Bezahlt wird der Bau allerdings nicht aus
des Königs Schatulle, sondern nach Ein-führung des „Bierpfennigs" von
den Münchnern selbst.
1828 zeigt sich die Ludwigsbrücke in neuen Glanz, rechter und linker
Hand geziert von nicht minder prächtigen Bauten, die langsam
entstehen. So wie das Müller'sche Volksbad. Initiiert von Karl Bern-
hard Ritter von Müller, der der Stadt einen Häuser¬block vermachte,
mit der Auflage eine „Badean¬stalt für das unbemittelte Volk" erbauen
zu lassen. 1,8 Millionen Goldmark kostet das Bad, das 1901 als erstes
kommunales Hallenbad seine Eröffnung feiert. Allein in den ersten
sechs Monaten strömen 260.000 Besucher herbei. Im zweiten Jahr sogar
860.000 und bis heute ist es dank umfangreicher Renovierungsmaßnahmen
eines der schönsten Ju-gendstilbäder Europas.
Noch imposanter, wenngleich nur von kurzer Dau¬er: die
Ausstellungsgebäude auf der Kohleninsel, jenem Platz der heute das
Deutsche Museum be-herbergt.   Fantastische   Bauten   entstehen,
ent-

zückend gestaltet in neoklassizisti¬schem Stil, mit grünen Dächern
und
einer Aus¬sichtsplattform   in
45 Metern Höhe. - Allerdings alles aus Holz und Gips, was der
Begeisterung keinen Abbruch tut. Zur Eröffnung 1898 pilgern Tausender
herbei, um auf 4.000 qm Ausstellungsfläche 469 Firmen wie Nymphenburg
Porzellan oder ein Röntgen-Kabi-nett zu bestaunen. Der Rest der Insel
ist ein einzi-ger Vergnügungspark mit Wasserrutschen, und ei¬nem
Automaten-Restaurant, in dem 10 Pfennig-Brötchen gezogen werden
können. Doch die Kulisse währt nicht lange: 1899 folgt der Abriss.
Historisches und neue Herrscher
Schon bald bekommt die Kohleninsel einen neu¬en Pächter: Oskar von
Miller lässt auf ihr ein neuartiges Technisches Museum erbauen und
kein Geringerer als Kaiser Wilhelm II. erscheint 1906 zur
Grundsteinlegung. Der Weg führt natür-lich über die Ludwigsbrücke u
nd
satte 20 Mark kostete damals ein Stehplatz am Rande der Fest-straßen.
Noch während des Baus des Deutschen Museums muss sich allerdings auch
die schöne, alte Ludwigsbrücke ergeben und weicht 1923 auf Anordnung
Hitlers einer Stadterweiterungsma߬nahme. Die Brückenbreite zwischen
9,50 (innere Brücke) und 11 Metern (äußere Brücke) wird auf
durchgängig 28 Meter vergrößert. 1935 ist die neue Brücke fertig, d
ie
selbst die Bombenangriffe
«les zweiten Weltkrieg überstand  Doch bemahe nicht den Wahnsinn der
Nazis, die wem     Tage 2 dem Einmarsch der Amerikaner alle Münch¬ner
Brücken sprengen wollen. Emzig dem Engage^ Lnt eines Kommissars der
Landespohzex, Jakob "der ist zu verdanken, dass die Brücke stehen
bSbt. Er verwehrt die Sprengung, wohnend damit sogar die Todesstrafe
zu riskieren. Und heu ^Unbeachtet liegt sie da, die Ludw.gsbrucke,
kein großer Festzug mehr, keine wilden Re.ter, kein Glan, Doch .hre
Gesuchte ist unve^essen und einer hat sie in einem Buch verewlgt Die
wigsbrücke(n).


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