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Reise nach Djenne/Mali

Von: fernsehkoch@googlemail.com [Profil]
Datum: 16.07.2008 10:02
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Eine Reise nach Djenne in Mali
Author Selzer-McKenzie
Der Author Selzer-McKenzie war kürzlich in Mali und
in Djenne treffen sich die Völker des Niger¬deltas zum Markt. Es wird
palavert, gehandelt und gefeilscht. Und manch einer trifft hier die
Liebe seines Lebens


der Wegweiser nach Djenne ist unscheinbar, rostig und leicht zu
übersehen. Die Stadt aus Lehm, von der man sagt, sie sei die schönste
Malis, ja ganz Westafrikas, liegt abseits der asphaltierten
Nationalstraße, die das Land durchzieht. Die schüchterne Schöne
scheint sich selbst noch wenige Ki¬lometer vor dem Ziel vor Besuchern
zu zie¬ren - von der Kreuzung aus fährt nur sel¬ten ein Bus in ihre
Richtung, und die betag¬te Fähre vor den Toren der Stadt hat es nicht
eilig, den Rest der Welt mit Djenne zu verbinden.
Äußerlich soll sich wenig verändert ha¬ben, seit die Stadt am Bani-
Fluss im fünf¬zehnten und sechzehnten Jahrhundert ihre Blütezeit
erlebte. Früher führten alle Handelsrouten nach Djenne, das als
Zen¬trum medizinischen und theologischen Wissens mit dem legendären
Timbuktu konkurrierte. Handwerker aus ganz West¬afrika schufen
beeindruckende Bauten, de¬ren sudanesische Lehmarchitektur das
Stadtbild bis heute beherrscht.
Von innen betrachtet wirkt das architek¬tonische Meisterstück, das im
Jahr 1998 in die Unesco-Liste des Weltkulturerbes auf¬genommen wurde,
liebenswürdig verschla¬fen und provinziell. In den Gassen regt sich
allenfalls beschauliches Treiben. Ein paar Jungen hocken vor der
Schule aus Lehm und rezitieren Koransuren. Flüs-ternd und mit dem
Oberkörper schau-kelnd, fahren ihre Finger über rissige Holz¬tafeln,
auf die die heiligen Formeln ge¬schrieben sind. Der Marabut, ihr
islami¬scher Lehrer, gibt sich weltoffen. Djenne sei seit
Jahrhunderten eine Hochburg des Islams, aber mit Al-Qaida-Terroristen
habe man nichts zu schaffen.
Jetzt in der Trockenzeit haben die Män¬ner der Zehntausend-Seelen-
Gemeinde wenig zu tun. Die Reisernte ist einge¬bracht, sie ruhen sich
aus. Auf Schilfmat¬ten sitzen sie vor ihren Wohnhäusern, trin¬ken Tee
und plaudern über das wenige Neue, das im Alltag passiert. Erst der
Ruf des Muezzins zwingt sie, die Bequemlich-keit aufzugeben, um sich
rituell zu reini-gen. Ein dünner Strahl, aus der Plastikkan¬ne
gekippt, muss reichen, um Füße, Arme und Gesicht vor dem gemeinsamen
Gebet zu waschen. Wasser wird in dieser Region auch für den
Allmächtigen nicht ver¬schwendet. Schnell eilen die in blaue und weiß
e
Gewänder gekleideten Männer in Richtung Moschee davon.
Die Lethargie, die der heiße Sahel über die Glieder und die Gedanken
seiner Be¬wohner legt, weicht am Ende der Woche einer gewissen
Nervosität. Morgen ist Montagsmarkt, und den Montagsmarkt von Djenne,
so versichert man dem Frem¬den,   dürfe  man keinesfalls  verpassen.
Busse und ächzende Lastwagen in die Stadt, beladen mit allen
Erzeugnissen, die das Land zubieten hat: Baumwolle, Erd¬nüsse, Wolle,
Schilfmatten, Ledertaschen, Keramik. Kalebassen und vieles mehr.
schifft. Kamelkarawanen liefern das ko; bare Gut aus den Salinen der
Sahara. Tao| denni heißt der Ort weit oben im Norde! „Ich übernehme
die Salzplatten in Tirl buktu und schaffe sie über den Niger unl Bani-
Fluss nach Djenne", sagt er. Dieses Mal hat der Salzhändler den Weg
beinah! nicht geschafft, denn der Wasserspiegel der Flüsse ist
bedenklich niedrig. Doci Amadou kennt die Sandbänke genau - an] dere
mussten schon in Mopti die SegeJ streichen. Glücklich strahlt Amadou
unten seinem Turban hervor, glücklich darüber dass er sich zumindest
für dieses Mal das Monopol auf Salz gesichert hat.
Busse und ächzende Lastwagen in die Stadt, beladen mit allen
Erzeugnissen, die das Land zubieten hat: Baumwolle, Erd¬nüsse, Wolle,
Schilfmatten, Ledertaschen, Keramik. Kalebassen und vieles mehr.
In der Nähe des Gewürzmarktes tanzt sich die Jugend der Stadt in einen
verzückj ten Rausch. Ein Ring aus zweihundert gendlichen schirmt die
Mädchen und Jun¬gen ab, die wie selbstvergessen die Reize


einem hitzigen Tumult, Mädchen und Jun¬gen nähern sich einander in
aufreizenden* Posen, als wollten sie die körperliche Lie¬be
heraufbeschwören. Die Vorfreude auf den Markt steckt auch die
Touristen an. In den Hotels der Stadt, in denen die Gäste unter der
Woche die ungeteilte Aufmerk¬samkeit genießen, ist am Sonntag kein
Bett mehr zu haben.
Im Schein der aufgehenden Sonne tref¬fen dann die Völker des
Nigerdeltas zusam¬men. In einer Karawane aus Eseln, Pferde¬karren,
Fahrrädern oder einfach zu Fuß strömen sie in die Stadt. Die Frauen
tra¬gen den Korb auf dem Kopf, den Schemel über dem Arm und nicht
selten ein Kind im Wickeltuch auf dem Rücken. Auf Tü¬chern breiten si
e
dann ihre Waren aus und preisen sie schmeichelnd an.   ,
aus vergoldetem Stroh verkaufen frisch ge¬molkene Ziegenmilch und
Butter. Die Bozo-Frauen hocken auf niedrigen Sche¬meln hinter riesigen
Körben, die gefüllt sind mit getrocknetem Nigerfisch. Die Bambara-
Frauen versuchen, mit Gewür¬zen und Heilpflanzen ein Geschäft zu
ma¬chen, während die Dogon, gekleidet in die typischen blauen
Wickelröcke, ihre be¬rühmten Zwiebelknödel köcheln. Für das
folkloristisch anmutende bunte Treiben gibt es wohl keine passendere
Kulisse als den Platz vor der Moschee, deren beein-druckende Größe die
Szenerie beherrscht.
Die Längsseite des Baus misst einhun-dertfünfzig Meter. Er wurde nach
dem Vor¬bild seiner Vorgängerin aus dem fünfzehn¬ten Jahrhundert in
den Jahren 1907 bis 1909 errichtet. Die Baumeister griffen mit vollen
Händen in den „Banco", einen Teig aus Lehm, Reiskleie und Hirsespreu,
ver¬mischten und kneteten den Stoff mit Was¬ser und Kuhmist und
formten daraus den schönsten und größten sakralen Bau im Sahel. Mit
seinen wuchtigen Minaretttür¬men,, seinen vorgebauten Fassaden und
spitzen Zinnen ähnelt das Gotteshaus ei¬ner Burg. Jedes Jahr im April
verkünden die Notabein der Stadt, dass es Zeit ist, dem Gebetshaus ein
neues Lehmkleid zu verpassen - alle Bewohner Djennes pa¬cken dann mit
an.
Die Restaurierung der Mauern, die soge¬nannte „recrepissage", ist eine
Art Wett¬kampf, in der die Bewohner zweier kon¬kurrierender Stadtteile
in einer wahren Schlammschlacht das Monument neu ver¬putzen.
Angefeuert von Flötenmusik und Trommelschlägen, klettern die Männer
mit Banco-gefüllten Eimern und Körben die Fassade der Moschee empor -
ungesi¬chert, an den aus den Wänden ragenden Stützbalken. Wie Geckos
hängen sie dann, allein von den „Gris-Gris", den ein¬gemauerten
Amuletten, beschützt, in der Wand und seifen Allahs Prachtbau mit der
grauen Pampe gründlich ein. Lamine Kou-ma, der Chef aller Maurer von
Djenne, ist verantwortlich für den Erhalt der Mo-schee. „Das
zweitägige Mammutwerk ist nötig, da in der Regenzeit viel Lehm aus den
Fassaden gewaschen wird und der Bau in Gefahr gerät, zu Schlamm und
Staub zu zerfallen", sagt er. Im Jahr 1815 sei die Moschee stark
beschädigt worden, als der Fulbe-Herrscher Sekou Ahmadu sämtliche
Regenabflüsse am Bau verstop¬fen ließ. Angeblich weil die Bewohner
Djennes Allah nicht genug verehrten.
Frisch verputzt wacht das ehrwürdige Bauwerk nun auf das Geschehen zu
sei-nen Füßen. Mit der Sonne steigt auch die Stimmung auf dem Markt,
gegen Mittag brodelt der Platz. Markttag ist Tratschtag, ist
Nachrichtenbörse und Boulevard, ist

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