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Re: Chrysler pleite?

Von: Ralf Koenig (ralfkoenig@gmx.de) [Profil]
Datum: 27.06.2008 10:27
Message-ID: <4864a479$0$7545$9b4e6d93@newsspool1.arcor-online.net>
Newsgroup: de.etc.fahrzeug.auto
Roland Mösl schrieb:
> Hier eine Kalkulation zu der wahnwitzigen Benzinpreisgarantie von Chrysler
>
> http://auto.pege.org/2008-news/chrysler-benzinpreis.htm

Das muss man schon differenzierter sehen.

0. Rechnet Chrysler bei der Bestimmung der Maximalabnahme-Menge wirklich
mit dem schlechteren Innerortsverbrauch (12000/21 * 3), so wie du das
getan hast?

1. man Optionen und Termingeschäfte
http://de.wikipedia.org/wiki/Option_%28Wirtschaft%29
http://de.wikipedia.org/wiki/Termingesch%C3%A4ft

Die Airlines haben sich mit solchen Sachen und langfristigen
Lieferverträgen eine Zeit lang über Wasser gehalten.

Das würde die Benzinpreisgarantie für Chrysler ein bisschen erträglicher
machen. Auch wenn es gleichzeitig über Börsenspekulationen den Ölpreis
weiter steigen lässt, weil ein Preis der zukünftigen Ölproduktion quasi
schon "vorverkauft" ist, und die, sich heute noch nciht dazu
entschließen können, ihr Öl vorzukaufen, dann zum Tagespreis kaufen
müssen. Was für den Rest der Chrysler-Kunden dann nicht so toll aussähe.

Bei Ford gab es auch schon ähnliche Aktionen, auch wenn es dort am Ende
als Einmalrabatt auf den Kaufpreis umgerechnet wurde.
http://www.autobild.de/ir_img/45527030_a348236e79.jpg

Ehrlich gesagt frage ich mich, warum sonst noch keiner auf ein
"Sprit-Abo" für Privatkunden gekommen ist. 1000 Liter zum Festpreis,
aber aufzubrauchen bis zum Tag x. Prepaid quasi. Oder für einen
Festpreis im Monat eine bestimmte Menge tanken, dafür aber mit
3-Jahres-Bindung. Und nicht verbrauchter Sprit verfällt.

2. Es wird Leute geben, die die 1714 Gallonen in 3 Jahren nicht
ausnutzen. Weil auch die Gallone zu 3 USD nicht billig ist.

3. Wie steht die Benzinpreisgarantie zu den sonst üblichen Rabatten, mit
denen in den USA Autos sonst verkauft werden. In der Regel kann sowas
nciht/schlecht kombiniert werden. Dann sieht die Kalkulation wieder
anders aus.

Denn: Es ist einen Versuch wert, Rabatte gezielt auf den psychologischen
Kaufhinderungs-Faktor wie "hoher Spritpreis" auszurichten. Hier erreicht
man schnell, dass der Verbraucher den Rabatt höher bewertet, als er dann
in Zukunft ist. Genau so, wie du das getan hast.

Denn wenn z.B. viele Amis mit deinem "mittel" oder "extrem"-Szenario
rechnen würden und dann auch damit, dass sie die 12000 Meilen wirklich
ausnutzen, dann kaufen die Chrysler. Und nicht GM, Toyota, Honda, ...
Denn in ihrer virtuellen Rechnung ist der Chrysler durch die
eingerechneten 7000$ Benzinpreis-Rabatt einfach ein Schnäppchen-Angebot.

Genau so machen es andere mit langjährigen Garantien. Die Angst des
Kunden ist "Oh, mein neues Auto dieser Nicht-Premium-Marke geht bestimmt
oft kaputt, das würde ich nicht kaufen.". Sie überschätzen also das
Risiko, von dem der Hersteller davon ausgehen kann, dass durch neue
Fabriken und Prozesse die Defektwahrscheinlichkeit niedriger sein wird,
als vom Kunden gedacht. Gerade weil der denkt: Super 5 oder 7 Jahre
keine Reparaturkosten, er vergisst verpflichtende Inspektionen und
Verschleißteile, die nicht drin sind. Für einen, der gerade 3000 EUR für
ein Austauschgetriebe oder Austauschmotor in seinem 10-Jährigen
hingeblättert hat, ist das einfach psychologisch wirksam. Er vergisst
schnell, dass die neue Garantie gar nciht bis zum 10. Jahr reicht.

Psychologie beim Autokauf sollte man nicht unterschätzen.

Und Öffentlichkeitswirksamkeit: Durch diese Aktion erfährt selbst der
letzte Bauer irgendwo in Wisconsin von der Sache, weil die Medien und
auch Mund-zu-Mund-Propaganda das schleunigst weitererzählen. Der gleiche
Rabatt auf eine Finanzierung oder Sondermodelle hätte keine S**
interessiert. Sogar wir hier, die das nicht mal nutzen können, reden davon.

4. Chrysler verschiebt das Ausfallrisiko auf den Kunden. Denn wenn die
wieder übernommen werden, oder aufgeteilt oder verkauft, oder was weiß
ich, dann werden die diese heutigen Zusagen evt. nicht mehr einhalten.
Dann kann man die Chrysler-Kreditkarte einfach umweltverträglich entsorgen.

5. Auch Chrysler braucht Geld, um die Zeit bis zur Entwicklung anderer
Autos zu überbrücken und damit auf veränderte Märkte zu reagieren. Sie
werden sich wohl was überlegen, auch wenn sie spät anfangen. Aber nimm
dir für diese Neuentwicklungen mal das Geld, wenn oben eine kurzsichtige
Heuschrecke thront.

Ralf

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