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Re: Duden unantastbar?

Von: Darnell Turner (darnell.turner@gmx.net) [Profil]
Datum: 18.10.2007 14:21
Message-ID: <ff7j3v$uel$1@inn-newsserver.rz.tu-ilmenau.de>
Newsgroup: de.comp.text.tex
> Das Zitat weißt aber darauf hin, dass Geschmack kein Argument ist, um Regeln
> über den Haufen zu werfen. Dein einziges Argument war aber, dass Dir das
> Ergebnis bei Einhaltung der Regel nicht gefällt, also Geschmack.

Bitte, dann ersetze ich Nicht-Gefallen jetzt: Mit "häßlich" meinte
ich,
dass es mir (und vielen meiner Korrekturlesern auch) widerstrebt, den
Punkt hinter der letzten Ziffer zu sehen. Dafür gibt es übrigens auch
gute Gründe; im Gegensatz zu dem Beispiel der Spiegelschrift für
Überschriften.

Erstens entspricht es nicht der Sehgewohnheit, einen Punkt hinter der
letzten Ziffer zu sehen. Wenn ich auf Seite 83 bin und nach oben sehe,
weiß ich nicht zwangsläufig, dass es noch Teile gibt, wo es eben besser
aussieht, wenn dahinter ein Punkt steht.

Zweitens finde ich es auch dann nicht sinnvoll. Man spricht auch nicht
"abschnitt erstens-zweitens-viertens", sondern "Abschnitt
eins-zwei-vier". Ich verstehe hier die semantische Funktion des Punktes
nicht in der Transformation zur Ordinalzahl, sondern in einer Trennung
von Zählzeichen. Und hinter der letzten Ziffer gibt es eben nichts mehr
zu trennen.

Selbst bei den Teilen eines Buches sagt man höchsten "Dritter Teil",
nicht aber "Teil drittens", weil es falsches Deutsch wäre, Ordinalzahlen
stehen vor dem Subjekt.

> Übrigens stammt das Zitat von Typografen, die eher
> dafür bekannt sind, dass sie sich kritisch mit klassischen Regeln der
> Typografie befassen und ggf. Alternativen aufzeigen.

Und tun wir genau das nicht gerade?

>> Nichts für Ungut, aber so etwas verstehe ich schon als Hinweis auf die
>> Unantastbarkeit von LaTeX-Implementierungen
>
> Ach. LaTeX-Implementierungen sind keineswegs automatisch typografische
> Weisheiten.

Nein, aber glücklicherweise sind sie das meistens, deswegen schreiben
wir doch damit, oder?

> Sie müssen sich an geltenden Regeln messen. Im konkreten Fall
> bietet die Implementierung außerdem Alternativen zur typografischen Regel.

Eben. Und ich habe zur Diskussion über Sinn und Unsinn des Gebrauchs
dieser Alternative aufgerufen.

Übrigens habe ich mal in mein Regal geschaut: O'Reilly und Galileo
denken auch, dass Punkte sinnlos ('häßlich') sind.

dT

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