IPv6-Artikel aus aktueller c't
Von: Anonymous (cripto@ecn.org) [Profil]
Datum: 25.06.2009 19:03
Message-ID: <20090625170321.3DB821A7A5C@www.ecn.org>
Newsgroup: de.comm.protocols.tcp-ip
Datum: 25.06.2009 19:03
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Newsgroup: de.comm.protocols.tcp-ip
REMAILER - Die E-Mail-Adresse
kann einem Remailer-Dienst zugeordnet werden. Remailer anonymisieren und pseudonymisieren E-Mails und Usenet-Postings und lassen somit keinen Rückschluss
auf den Verfasser zu. Weitere Informationen zur Remailern hält die Wikipedia bereit.
Johannes Endres, Reiko Kaps Ende der Enge Das Internet-Protokoll Version 6 löst Probleme und schürt Ängste Version 6 des Internet-Protokolls vergrößert den Adress- raum ins Unermessliche. Na und? Die Reaktionen von Administratoren und Anwendern auf IPv6 reichen von Schulterzucken bis zu tiefem Misstrauen. Dabei löst IPv6 Internet-Probleme, die jeder Nutzer erlebt — auch wenn er es noch nicht unmittelbar bemerkt hat. Wenn man bei einem VoIP-Telefonat sein Gegenüber nicht hört, wenn in einem Spiel der Kontakt zu anderen Zockern über das Internet nicht klappt, wenn Peer-to-Peer-Downloads stocken oder der Dateitransfer im Chat-Programm nicht klappt, iegt die Schuld meist in der Network Address Translation (NAT). Denn der Heim-Router hat auf seiner Internet-Seite nur eine einzige Adresse und muss die interne Adresse des PC im loka- len Netzwerk darauf übersetzen. Dazu führt er eine Tabelle, welche interne Adresse eine Verbindung zu einem externen Rechner aufbaut. Solange der seine eigene feste Adresse hat, wie bei Servern üblich, funktioniert die Sache einigermaßen. Doch wenn auch der Kommunikationspartner hinter einer NAT sitzt, fehlt dort der Tabelleneintrag und der Verbindungsauf- bau schlägt fehl. Dummerweise ist das eigentlich immer der Fall, wenn zwei Internet-Nutzer direkt miteinander kommuni- zieren wollen: bei Instant Messengern, Voice over IP, Video- konferenzen, Peer-to-Peer-Dateitausch, Online-Spielen oder Remote-HilfeSitzungen zum Schwiegervater, um nur einige zu nennen. Außerdem kann der Router nur beim Protokoll TCP seine NAT -Tabelle richtig pflegen, weil es eine Verbindung in mehre- ren Schritten auf- und abbaut. Diese Schritte beobachtet der Router, um NAT-Einträge anzulegen und zu löschen. Die weiteren Pakete, die zu dieser Verbindung gehören, kann er dann erkennen und richtig umschreiben. Bei verbindungslosen Protokollen wie UDP geht das nicht so einfach und der Router muss anhand von Aktivitäts-Timern raten, ob ein Eintrag gebraucht wird, weil noch weitere Päckchen dieser Art vorbeikommen werden. Liegt er dabei falsch und verwirft einen NAT-Eintrag zu früh, führt das bei UDP-Anwendungen wie VoIP, Online-Spielen und Streaming gelegentlich zu Abbrüchen. Beim Dateitransfer mittels FTP handeln Client und Server neben dem Kommando-Kanal eine zusätzliche Verbindung aus. Damit diese zwischen zwei NAT-behinderten Rechnern zu Stande kommt, muss mindestens einer der Router die FTP-Konversation mitlesen und auswerten, um den passenden NAT-Eintrag zu er- zeugen. Manche Protokolle funktionieren grundsätzlich nicht, wenn ihre Datenpakte bei der Gegenstelle mit einer anderen Absen- deradresse ankommen, als sie abgeschickt wurden. So benötigt das VPN-Protokoll IPSec eine hässliche Erweiterung namens NAT-Traversal. Dieses Problem betrifft nicht nur Heimrouter mit dynamischer NAT, sondern auch die AdressUmschreiber in den Netzen der Pro- vider. Beispielsweise beim Internet-Zugang per UMTS ist die NAT recht offensichtlich, denn die IP-Adresse des mobilen Rechners und die beim Server ankommende unterscheiden sich, wie sich zum Beispiel mit dem Dienst „Meine IP-Adresse" auf heise Netze prüfen lässt (siehe Link am Artikelende). Ein zweiter dicker Stolperstein für Direktverbindungen sind die dynamischen IP-Adressen, die der Provider bei jeder In- ternetEinwahl neu zuteilt. Auch wenn man gestern den eigenen HeimServer mit den Urlaubsfotos noch erreichen konnte, hat er heute wahrscheinlich eine andere Adresse bekommen. Beide Kommunikationshindernisse lassen sich nur mit Netz- werkgefummel oder mit Softwaretricks umgehen. Entweder schlägt sich der Anwender selbst mit Port-Forwardings und -Triggern, mit dynamischem DNS und handgetunten DHCP-Servern herum oder er überlässt die Kontrolle einer Automatik. Zur Wahl stehen ein schon vom Design her unsicherer Teil des Protokolls Universal Plug and Play (UPnP) oder Programme, die selbst versuchen, die NAT zu überlisten, zum Beispiel Skype oder die Instant Messenger. Dazu brauchen sie einen externen Server, zu dem beide Partner eine Verbindung auf- bauen, um dann die so erzeugten NAT-Tabelleneinträge zum direkten Kontakt zu benutzen. Dem Betreiber dieses Servers muss man dabei bedingungslos vertrauen, wenn das Protokoll verschlüs- selt und undokumentiert abläuft wie bei Skype. Solche Tricks funktionieren meistens, aber beileibe nicht immer. Und wenn die Programmierer nicht mit viel Mühe sol- che Maßnahmen eingebaut haben, um die Daten an den mit NAT heraufbeschworenen Einschränkungen vorbeizumogeln, geht gar nichts. So ist es nahezu unmöglich, eine Remote-Hilfe-Sit- zung mit den Windows-Bordmitteln aufzubauen, wenn der Hilfe- suchende per NAT-Router am Internet hängt. Mangelwirtschaft Dynamische Adressen und NAT sind nur Symptome des Mangels an IPv4-Adressen, den die Internet-Pioniere schon 1991 zum zehn- ten Geburtstag von IP vorhersahen. Gleichzeitig mit der Ent- wicklung von HTTP, HTML und Browsern, die dem Internet sein rasantes Wachstum bescheren sollten, wurde daher schon an der Erweiterung des zu knapp bemessenen Adressraums gearbeitet. Die umfassende Lösung kam Ende 1995 im RFC 1833 als IPv6 mit viel mehr Adressen. Dank des riesigen Adressraums hat es NAT nicht nötig. Von drei vorgeschlagenen Protokollen setzte sich damals das durch, das sich am wenigsten von seinem Vorgänger IPv4 unterscheidet. Die Hoffnung dabei war, dass der Umstieg leichter fallen würde, wenn Netzwerker fast nichts dazulernen müssten. So gab es außer dem von 32 Bit auf 128 Bit vergrößer- ten Adressfeld nur minimale Änderungen. Doch fatalerweise rollte da der Internet-Boom schon und der Netzbedarf wurde durch die Installation der etablierten IPv4- Gerätschaften gedeckt. Um das Internet gleich auf die richtige technische Basis zu stellen, war IPv6 minimal zu spät als Pro- dukt verfügbar - heute unser Pech. Denn eineinhalb Jahre vor dem ersten IPv6-Standard wurde NAT im RFC 1631 beschrieben. Die Autoren schlugen es als schnellen Ausweg vor, der die Ad- ressverknappung bei IPv4 kurzfristig lösen sollte. Langfris- tig müsse ein neues Internet-Protokoll mit größerem Adress- raum her. Die RFC-Autoren erwähnen sogar das oftmals vorgebrachte Argument, NAT erhöhe die Privatheit der per NAT abgetrennten Internet-Rechner. Der gleiche Mechanismus erschwert aber die Suche nach Fehlern und Sicherheitslöchern, fügten sie bereits damals hinzu. Als negative Auswirkung nennt schon der RFC den hohen Aufwand bei der Verwaltung der NAT-Tabellen in Routern, ein hohes Risiko der Fehladressierung von Internet-Rechnern, die Verkomplizierung von Internet-Anwendungen und -Diensten sowie diverse Probleme mit dem Domain Name System oder Proto- kollen wie SNMP. In den 15 Jahren seitdem hat sich NAT als besonders zählebi- ges Provisorium erwiesen. Derzeit enthalten über 370 RFCs ei- nen Bezug zu NAT. Das bedeutet in der Regel, dass sie eine Methode beschreiben, Protokolle trotz NAT zum Laufen zu bekom- men. Dass eine ganze Generation von Netzwerkadmins lernte, mit der Krücke zu leben, liegt auch daran, dass die Killerapplikation des frühen Internet kein NAT-Problem hat: E-Mail. Der senden- de Sever baut eine TCP-Verbindung zum empfangenden auf und schickt seine Daten hindurch; die IP-Adressen spielen keine Rolle, es gibt nur eine Verbindungsrichtung und der empfan- gende Server braucht ohnehin eine feste Adresse (für den MX -Record). Auch das ursprüngliche WWW geht sauber durch die Adressen- übersetzung: Der Browser spricht den Server an und saugt Daten. Doch mit Web 2.0 beginnt auch hier der Ärger. Denn die schicken interaktiven Anwendungen bauen Dutzende Verbin- dung zwischen Browser und Server auf, um Daten nachzuladen. Dabei laufen immer häufiger die NAT-Tabellen über, und zwar auch bei den Geräten in den Provider-Netzen. So berichtete Thorsten Dahm von Google beim IPv6-Kongress Ende Mai in Frankfurt, dass Google-Maps-Anwender immer wieder über fehlende Kacheln in den Landkarten klagen, weil einzelne Verbindungen aus einer NAT-Tabelle geflogen waren. Auf einer ganz anderen Ebene betrifft die IPv4-Adressknappheit Unternehmen, die im Web Geld verdienen wollen. Der Plan, nach dem die letzten freien Adressblöcke an die kontinentalen Ver- walter verteilt werden sollen, steht fest. Dabei haben sich Nordamerika (ARIN) und Europa (RIPE) im Laufe der letzten 25 Jahre mit ausreichend IPv4-Adressen versorgt. Für die Nach- zügler in Afrika (AfriNIC) und Lateinamerika (LACNIC) blieb da nicht viel übrig. Zwar fehlen in diesen Regionen meist noch die nötigen Leitungen, doch selbst wenn diese einmal verlegt sind, kämen Rechner mangels Adressen nicht mehr mit IPv4 ins weltweite Netz. Dort ist also der Druck, auf Ipv6 zu setzen, viel höher. Web-Anbieter in Europa und Nordame- rika, die nur per IPv4 erreichbar sind, bleiben für die reinen IPv6-Surfer unsichtbar und verbergen ihre Seiten vor potenziellen Kunden. Zufälliger Schutz NAT hat jedoch auch einen positiven Nebeneffekt. Sie wirkt wie eine halbe Firewall, weil an einem NAT-Gerät alle Daten- pakete abprallen, für die es keinen Eintrag in der Überset- zungstabelle gibt. Eher zufällig verhindern daher die meis- ten Heimrouter, dass aus dem Internet initiierte Angriffe einen PC im LAN erreichen. Ohne NAT kann eine genauso kon- figurierte Firewall für diesen Schutz sorgen, die Technik dafür ist vorhanden. Zumindest für Heimrouter liegt es beim Hersteller, die richtigen Voreinstellungen zu treffen. Wer dann den Kontakt zu einem seiner Rechner erlauben möchte, muss ein zusätzliches Loch in seine Firewall bohren, statt ein Port-Forwarding (also einen NAT-Eintrag für eingehende Pakete) einzurichten. Die Oberfläche dafür könnte genauso aussehen wie bei Port -Forwardings. Und die Fummelei an den Ports für zickigere Anwendungen wäre dieselbe wie jetzt. Wer diesem Problem häufiger begegnet, wird wahrscheinlich den Router offener konfigurieren und die Firewalls auf den einzelnen Rechnern nutzen - eine Möglichkeit, die er mit NAT und mehreren PCs nicht hat. Mit IPv6 überwacht Auch die dynamischen IPv4-Adressen der Internet-Zugänge für Privatkunden haben einen Vorteil. Da sie sich bei jeder Ein- wahl ändern können, fällt es Datensammlern schwer, einen Nut- zer anhand seiner Internet-Adresse wiederzuerkennen. Zwar vermerken viele Foren und Wikis die Adresse, von der ein Beitrag oder eine Änderung kam. Auch E-Mails enthalten im Header die IP-Adresse des Absenders. Anhand dieser Adressen lässt sich also feststellen, dass eine Nachricht aus einem bestimmten Netzwerk kam und dass daher eventuell hanschen @sorglos.de in irgendeiner Beziehung zum Foren-Troll Anony- mous steht - sofern sich die Adresse zwischen den beiden Nachrichten nicht geändert hat. IPv6 bietet so viele Adressen, dass jeder Internet-Nutzer, jeder PC und jedes Gerät gleich einen ganzen Adressblock für sich allein haben kann - dauerhaft. Wenn man mit solchen fes- ten Adressen ins Internet geht, ist es für Schnüffler wesent- lich einfacher, beispielsweise die Daten von verschiedenen Besuchen auf einer Webseite einander zuzuordnen. Doch die Vorstellung von einer einzelnen, persönlich zuord- baren IPv6-Nummer ist nicht ganz richtig. Denn wie bei Ipv4 identifiziert auch bei IPv6 die Adresse den Rechner, auf dem sie konfiguriert ist. Außerdem werden die Adressen nicht ein- zeln zugeteilt, sondern in Blöcken, den sogenannten Präfixen. Die heißen so, weil sie den ersten Teil einer Ipv6-Adresse und dessen Länge enthalten. So umfasst der Präfix 2001:DB8/32 alle Adressen, die mit diesen 32 Bit beginnen. Kurz spricht man bei so einem Adressblock von einem „32er-Präfix". Üblicherweise erhalten Kunden vom Provider einen 64er-Präfix, also 264 Adressen. Eine Methode, wie man in diesem Bereich die Rechneradresse variieren kann, beschreibt der RFC 4941, „Privacy Extension for Stateless Autoconfigation in Ipv6". Unter Windows ist dieses Verfahren per Vorgabe aktiv. Damit kann ein Datensammler am Präfix nur noch erkennen, dass er es mit demselben Netzwerk zu tun hat. Aus Privacy-Sicht än- dert sich also für die Netze nichts, die heute per NAT über eine feste IPv4-Adresse ans Internet angebunden sind, wie bei Firmennetzen üblich. Für Privatkunden mit bisher dynamischer IP-Adresse besteht zumindest die Chance, den Status quo zu erhalten, denn IPv6 muss keineswegs zwingend mit festen Präfixen betrieben wer- den. Beim IPv6-Kongress 2009 berichtete Karsten Fleischhauer über die IPv6-Pläne der Deutschen Telekom, dass die Entschei- dung für feste oder dynamische Adressen noch nicht gefallen sei. Doch wer plant, von einer dynamischen IPv4- auf einen stati- schen IPv6-Präfix umzusteigen, muss genau abwägen. Einerseits gewinnt er einigen Komfort, weil er seine PCs und Geräte jetzt leichter erreichen kann. Doch andererseits gibt er den Daten- sammlern einen weiteren Baustein für sein Online-Profil in die Hand. Je weniger Rechner und Personen in einem Netzwerk aktiv sind, desto genauer lassen sie sich am Präfix wiedererkennen. Wenn ein Server anhand des festen Präfix erkennt, dass der Zugriff von einem PC aus einem Unternehmen mit einigen hundert Arbeitsplätzen kommt, ist die Information ziemlich nutzlos. Bei einer Kleinfamilie ist das schon ein Einbruch in die Privatsphäre. Doch die dynamischen Adressen garantieren keineswegs Ano- nymität. Schon jetzt bringen Datensammler Cookies, Web-Bugs und per Flash auf seinem PC gespeicherte Daten in Stellung, um automatisch Einblick in die Vorlieben eines Surfers zu erhalten. Auch gegen die vermutete staatliche Datensammel- wut ist man damit nicht gefeit. Schließlich schaffen Tele- kommunikationsgesetz (TKG) und Telekommunikations-Überwach- chungsverordnung (TKÜV) schon seit Jahren die Voraussetzun- gen für das Überwachen der Kommunikation. Und wer wann welche dynamische IP-Adresse genutzt hat, lässt sich derzeit durch die umstrittene Vorratsdatenspeicherung nachvollziehen. Eine fester IPv6-Präfix vereinfacht also die Datensammlung, die ohne ihn aber durchaus möglich ist. Wer wirklich anonym bleiben möchte, braucht ein Netzwerk wie Tor, das die IP -Adressen verschleiert, und muss in seinem Browser alle Methoden zum Speichern von Daten deaktivieren, nicht nur die Cookies. Los! Jetzt! IPv6 schafft die Adressknappheit und damit viele Netzwerkpro- bleme aus der Welt. Internet-taugliche Spiele, Messenger und VoIP-Clients kämen ohne Netzwerktricks und den für die NAT -Umgehung nötigen Code aus. Das ursprüngliche Paradigma der Ende-zu-Ende-Kommunikation gilt damit wieder für jeden Nut- zer im Internet. Das nicht mehr ganz neue Protokoll soll IPv4 aber nicht schlagartig ersetzen, denn die Mehrheit aller Dienste und Anwendungen spricht weiterhin nur das alte Protokoll. Doch der Weg zum sanften Umstieg ist klar: beide Versionen des IP lassen sich parallel betreiben. Netzwerker reden vom Dual-StackBetrieb. Windows XP, Vista, Mac OS X, Linux und andere Unixe bringen Netzwerktreiber mit, die beide Protokolle nebeneinander ein- setzen. Ähnlich sieht es bei den meisten Netzwerk- und Server- programmen aus: So sprechen die allermeisten Dienste (Datei- freigabe, Remotedesktop) unter Vista IPv6 und nutzen es wann immer möglich. Der Nachfolger Windows 7 geht noch weiter: Es nutzt endlich einigen Techniken, die eigentlich schon in Vista und zum Teil sogar in XP stecken. Unter anderem beruhen die Homegroups zur einfachen Einrichtung eines Heimnetzwerks ebenso auf IPv6 wie die neue, Easy Connect genannte Methode, um Remote-Hilfesitzungen aufzubauen. Weil die ganze übrige Branche noch fester geschlafen hat, kann sich Microsoft mit seinem konsequenten Schritt zu IPv6 auch 14 Jahre nach dessen Erfindung zu Recht als Technik-Pionier sehen. In solchen Peer-to-Peer-Anwendungen spielt IPv6 seine ganze Kraft aus. Seiten wie www. six.heise.de anzusurfen geht zwar auch, ist aber ganz klar nicht die „Killerapplikation" für IPv6. Wer dennoch IPv6-taugliche Websites sucht, findet bei www.sixy.ch eine gute Quelle. Die Datenbank nimmt Einträge mit einer Kurzbeschreibung und Tags entgegen und liefert sie über eine Suchfunktion aus. Aktuell listet sixy.ch circa 1700 Websites. I m LAN sprechen die aktuellen Betriebssysteme automatisch IPv6, Windows sogar bevorzugt. Doch die großen deutschen Pro- vider bieten bislang kein IPv6-DSL an. Einzig einige weniger bekannte wie Spacenet, Rh-tec, Tal.de und Titan Networks lie- fern IPv6 als Zugabe (siehe Link). Die größeren Anbieter wie Telekom oder Vodafone berichteten zwar auf dem Ipv6-Kongress über ihre Ausbaupläne und Testinstallationen. Doch Termine oder gar Preise nannten sie nicht. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel des französischen DSL-Anbieters Free, der seine zwei Millionen Kunden in nur wenigen Wochen ans Ipv6 -Internet angeschlossen hat. Wer seinen Provider nicht wechseln möchte, kann sich Ipv6 über kostenlose Tunnel, zum Beispiel von Sixxs.net, Hurricane Electric oder Hexago, mit dem IPv6-Netz verbinden oder die von Microsoft entwickelte Technik Teredo benutzen. Links zu den Anbietern und zu Konfigurationsanleitungen auf heise Netze finden Sie über den Link am Artikelende. Beim Dual-Stack-Betrieb behindert ein Geburtsfehler das Ipv6: Die Funktionsaufrufe sind so definiert, dass der Programmierer festlegen muss, ob er eine IPv4- oder IPv6-Verbindung aufbauen möchte. Damit liegt auch die Prüfung in seiner Hand, ob Ipv6 überhaupt korrekt funktioniert. Viel vernünftiger ist der Weg, den einige Laufzeitumgebungen wie Java und das aktuelle Win- dows anbieten: Der Programmierer wünscht sich per Funktions- aufruf einfach „eine Verbindung zu www.heise.de Port 80" und überlässt der Laufzeitumgebung die Wahl der besten Protokoll- version. Doch bis sich dieses Muster durchsetzt, heißt es Aus- schau nach IPv6-tauglichen Applikationen halten und die nöti- gen Häkchen manuell setzen. Zugangszögerlichkeit Eigentlich erstaunt es, dass ausgerechnet die Zugangsprovider so zögerlich umstellen. Denn gerade sie konnten seit langem beobachten, dass die Adressen für die Einwahl zur Neige gehen. Doch sie haben wohl nur auf den Termin zur Verteilung der letzten freien IPv4-Blöcke gestarrt, die derzeit für Mitte 2011 prognostiziert wird. Aber die Einführung braucht eine mehrjährige Dual-Stack-Phase, bis kein einziges Angebot mehr IPv4-only ist. In dieser Zeit wird der Bedarf an alten Adressen weiter steigen, und dafür reichen die restlichen Pools nicht aus. In der Diskussion sind zwei Übergangsmodelle: Noch mehr NAT, also eine zusätzliche Übersetzungsstufe innerhalb der Netze. Oder ein dreister Bit-Diebstahl: Die 32 Bit des Adressfelds genügen nicht, doch die 16 Bit im Port-Feld bei Dank Ipv6 hat die Remote-Unterstützung von Windows 7 keine Probleme mehr mit NAT-Routern. TCP und UDP sind mehr, als ein Server normalerweise braucht. Selbst 256 Ports sind auf kaum einem Rechner offen, man könn- te also die Hälfte der Port-Bits klauen und als zusätzliche Adressierung benutzen. Da weder Client noch Server etwas davon merken sollen, ist das eine Art NAT in die Breite, die allein neu zu installierende Netzwerkkomponenten erledi- gen müssen. Bei der Vorstellung rollen sich dem Netzwerker die Zehennägel hoch, doch wahrscheinlich wird das Verfahren aus purer Not eingeführt, um irgendwie über die Dual-Stack -Phase zu kommen. Die Verfechter dieser Krücke zur Krücke versprechen, dass es aber wirklich nur eine kurzfristige Übergangslösung sei - wie es auch der NAT-RFC von 1994 versprach. Immerhin scheint IPv6 in diesem Jahr endlich Fahrt aufzuneh- men. Die großen Provider werfen keine hinhaltenden Sprach -Nebelkerzen mehr, sondern sprechen deutlich über die tech- nische Seite ihrer Pläne. Mit dem D-Link DIR-825 ist der erste IPv6-taugliche Heimrouter auf den deutschen Markt gekommen und für mehrere FritzboxModelle bietet AVM immerhin die Beta-Version einer IPv6-Firmware an. Große Hoster bauen IPv6 in ihre Netze ein und testen bereits mit „Friendly Cus- tomers", also technisch versierten Kunden, die nicht zu viel plaudern. Doch so richtig will niemand losstürmen, alle warten auf die jeweils anderen Mitspieler. Die üblichen Ausreden lauten „Kein Kunde fragt nach IPv6" und „Wir sind dabei, aus IPv6 ein Pro- dukt zu machen". Beides geht in die falsche Richtung, denn die Endkunden sollten sich eigentlich nicht mit der Version ihres Internet-Protokolls herumschlagen müssen. Es fragt ja auch niemand nach „DIN IEC 60038". Die legt fest, dass der Strom aus der Steckdose 230 Volt und 50 Hz hat. Genauso sollte Ipv6 eigentlich schon längst unbekannt und zuverlässig das Internet tragen. (je/rek)[ Auf dieses Posting antworten ]
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- Juergen Nickelsen (19.07.2009 14:49)
