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D-Link Horstbox Standard DVA-G3342SD: nicht sonderlich empfehlenswert (Achtung laenglich)

Von: Michael Landenberger (spameimer052006@arcor.de) [Profil]
Datum: 12.09.2009 21:26
Message-ID: <7h2aufF226eihU1@mid.uni-berlin.de>
Followup-to: de.comp.hardware.netzwerke.misc
Newsgroup: de.comp.hardware.netzwerke.misc de.comm.technik.dsl de.comm.internet.telefonie
Hallo,

seit einiger Zeit bin ich Besitzer des im Betreff genannten Geräts. Wer
es nicht kennt, kann sich hier schlau machen:
<http://www.horstbox.biz/>. Es handelt sich um ein als
Fritzbox-Konkurrent (daher vermutlich der merkwürdige Name) gedachtes
Kombigerät aus einem ADSL2+-Modem, einem Router mit 4-Port Switch und
54 MBit/s-WLAN und einer Telefonanlage, die analoge und ISDN-Anschlüsse
sowie VoIP-Telefonie unterstützt. Neben 2 Anschlüssen für analoge
Nebenstellen verfügt die Horstbox über einen internen S0-Bus, an den
sich bis zu 4 ISDN-Geräte anschließen lassen. Außerdem gibt es 2 USB
2.0-Ports zum Anschluss von Druckern oder Massenspeichern wie z. B.
USB-Sticks oder externen Festplatten. Mit der Außenwelt verbindet sich
die Horstbox über DSL (ADSL2+ mit bis zu 24 MBit/s) sowie über einen
analogen oder ISDN-Telefonanschluss.

All das hört sich erst einmal sehr schön an. Leider habe ich aber mit
der Kiste so viele Probleme, dass ich trotz des günstigen Preises von
einem Kauf eigentlich nur abraten kann. Hier trifft auch das so häufig
strapazierte "you get what you pay for" ausnahmsweise mal zu.
Allerdings habe ich das Teil gebraucht gekauft und habe daher deutlich
weniger als 50 Euro bezahlt. Für die Funktionen der Horstbox, die man
einigermaßen störungsfrei nutzen kann, war der Preis angemessen.

Die wenigsten Mängel zeigten sich beim ADSL-Modem und beim Router-Teil.
Beide verrichten ihren Dienst erwartungsgemäß. Die DSL-Verbindung ist
stabil und liefert einen zufriedenstellenden Datendurchsatz, das Modem
ist also brauchbar. Beim Router hätte ich mir ein paar mehr
Konfigurationsmöglichkeiten gewünscht, aber die Grundfunktionen für die
Einrichtung eines (Heim-)Netzwerks und dessen Verbindung mit dem
Internet sind vorhanden. Die Einrichtung ist relativ einfach und
selbsterklärend, also weitgehend DAU-sicher. WLAN-Reichweite
und -Datendurchsatz sind eher durchschnittlich, außerdem handelt es
sich um das schon ein wenig aus der Mode gekommene 54 MBit/s-WLAN.
Naja, für 50 Euro darf man keinen 802.11n-Accesspoint erwarten.
Immerhin werden aktuelle Verschlüsselungsstandards unterstützt. Router
und Modem arbeiten stabil, auch bei hoher Last gibt es keine Abstürze
o. ä.

Der Telefonieteil ist dagegen nur mit Einschränkungen zu gebrauchen.
Die Grundfunktionen "Ein- und ausgehende Intern- und Externgespräche"
beherrscht die Horstbox zwar, und zwar sowohl analog, als auch über
ISDN und VoIP. Der Hersteller verspricht aber mehr, und davon
funktioniert einiges nicht richtig bzw. nur unter optimalen
Bedingungen. Ich habe folgende Mängel festgestellt:

1. Manche ISDN-Leistungsmerkmale lassen sich mit der Horstbox zumindest
an meinem Alice-ISDN-Anschluss nicht richtig steuern. Beispielsweise
wird der Versuch, gemäß Handbuch eine Anrufweiterschaltung in der
Vermittlungsstelle einzurichten (mit der bekannten Ziffernfolge
*21*<Zielrufnummer>#), mit einer Fehlermeldung quittiert und es wird
keine Umleitung eingerichtet. Am Anschluss kann es nicht liegen, denn
mit anderen ISDN-Endgeräten funktioniert alles.

2. Die Box beherrscht den Keypad-Mode nicht, bzw. dieser wird mit
keinem Sterbenswörtchen im Handbuch erwähnt. Für das Einrichten der
Anrufweiterschaltung ist der Keypad-Mode auch nicht nötig, aber andere
Funktionen benötigen ihn. Da die Box aber Steuercodes wie "*",
"#" und
Flash grundsätzlich abfängt (auch bei einer bereits bestehenden
externen Verbindung) und nicht an die Vermittlungsstelle weitergibt,
lassen sich Funktionen der Vermittlungsstelle, die diese Codes
benötigen, nicht steuern.

3. Der VoIP-Teil ist sehr lieblos umgesetzt. Quality of Service
funktioniert ganz schlecht, d. h. bei parallelen Down- oder Uploads
sind keine VoIP-Gespräche mehr möglich. Die Box bietet auch nur sehr
spärliche QoS-Einstellmöglichkeiten, die auch im Handbuch nicht oder
nicht ausreichend erklärt werden. Damit kann man die VoIP-Funktionen
der Box weitgehend vergessen. Auch bei den automatischen Wahlregeln
gibt es Einschränkungen. Man kann das Routing zwar über Wahlregeln
beeinflussen, aber es gibt dabei nur eine pauschale Auswahl zwischen
VoIP und Festnetz. Obwohl die Box das Einrichten mehrerer VoIP-Accounts
erlaubt, kann man nicht per Wahlregel einen bestimmten VoIP-Account
auswählen. Ich konnte leider noch nicht prüfen, welcher VoIP-Account
benutzt wird, wenn eine Nummer per Wahlregel über VoIP geroutet wird.
Ich nehme an, es ist der erste.

4. Die Horstbox legt auch beim Telefonieren übers Festnetz nach dem
Wählen eine ca. 5 Sekunden lange Kunstpause ein, bevor sie eine
Verbindung aufbaut. Bei VoIP könnte ich das ja noch verstehen, aber bei
Gesprächen über den analogen Anschluss bzw. über ISDN stört mich
dieses
Verhalten. Zwar kann man die Wahlpause durch Nachwählen von "#"
verkürzen, das ist aber recht umständlich.

5. Sonderzeichen wie "*" oder "#" lassen sich nicht im
Kurzwahlspeicher
ablegen. Dadurch ist es nicht möglich, Telefonie-Leistungsmerkmale per
Kurzwahl zu steuern oder die unter 4. genannte Kunstpause wenigstens
beim Wählen aus dem Kurzwahlspeicher mittels nachgestelltem "#"
abzukürzen.

6. Die voreingestellte automatische Amtsholung lässt sich nicht
deaktivieren. Für Interngespräche müssen jedes Mal zwei Sternchen
vorgewählt werden, das ist umständlich.

7. Auch die aktuellste Firmware (Embedded Linux, aktuelle
Firmware-Version 2.09.1) weist noch jede Menge Fehler auf, als da
wären:
a) das nicht funktionierende QoS, siehe oben.
b) Manchmal wird die Verbindung zum SIP-Server ohne ersichtlichen Grund
getrennt und nicht wieder aufgebaut.
c) Manchmal hakt die Firmware. Die Box funktioniert dann zwar noch,
aber es lassen sich keine Änderungen an der Konfiguration mehr
vornehmen. Jeder Versuch, eine geänderte Einstellung zu speichern, wird
mit der nichtssagenden Fehlermeldung "Allgemeiner Systemfehler"
quittiert. Ein Soft-Reset der Box behebt das Problem, allerdings nur
für eine Weile. Der Fehler tritt meistens in Verbindung mit Punkt b)
auf. Ich werde versuchen, das mal zu reproduzieren.
d) Über das Web-Interface lässt sich nur ein Bruchteil der Funktionen
der Box konfigurieren. Zwar ist das weitgehend DAU-sicher, aber D-Link
hat auch wichtige Einstellungen wie z. B. komplexere Filterregeln oder
QoS-Einstellungen aus dem Web-Interface verbannt. Man ist zur
Konfiguration dieser Funktionen auf das Telnet- bzw. SSH-Interface
angewiesen. Das aber bringt weitere Probleme mit sich:
e) Der Telnet-/SSH-Zugang funktioniert nur so lange, wie das
werksseitige Default-Passwort der Box nicht geändert wird. Ändert man
das Passwort, kommt man nur noch auf das die Web-Interface der Box, ein
Telnet- oder SSH-Zugriff ist dann nicht mehr möglich. Leider bietet das
Web-Interface nur sehr bescheidene Einstellmöglichkeiten.
f) Das Telnet-Interface ist überhaupt nicht benutzerfreundlich und wird
auch im Handbuch nicht erklärt. Jede klitzekleine Änderung an den
Einstellungen artet in eine kryptische Kommandozeilen-Orgie aus. Man
muss sich sämtliche Infos dazu aus dem Netz zusammenklauben. In dieser
Hinsicht bin ich von Zyxel-Routern sehr verwöhnt, deren
Telnet-Interface sich sehr intuitiv bedienen lässt.

Auch die beiden USB-Anschlüsse sind nur mit Einschränkungen zu
gebrauchen. Ich habe einen davon mit einem USB-Stick bestückt, der
direkt am Rechner angeschlossen mit einem durchaus brauchbaren
Datendurchsatz aufwarten kann. An der Box ist die
Schreib-/Lesegeschwindigkeit jedoch schnarchlangsam. Das gilt besonders
dann, wenn man einen Download aus dem Internet direkt auf einem an der
Box angeschlossenen Speichermedium ablegen will. Offenbar lastet der
Traffic auf dem Internetzugang die Box derart aus, dass für andere
Aufgaben wie z. B. das Schreiben auf dem USB-Anschluss kaum noch
CPU-Kapazitäten zur Verfügung stehen.

Fazit: die Horstbox hält nur einen Teil dessen, was der Hersteller
verspricht. Modem und Router sind in weitgehend Ordnung (wenn man mal
von den bescheidenen Einstellmöglichkeiten absieht), WLAN geht so la
la. Der Telefonieteil patzt jedoch bei wichtigen Funktionen und vor
allem bei VoIP, so dass man ihn m. E. eigentlich vergessen kann. Der
Fritzbox 7170, deren Konkurrent die Horstbox sein will, kann sie
jedenfalls nach meiner Erfahrung das Wasser nicht einmal entfernt
reichen. Ob für ein solches Gerät 50 Euro ein angemessener Preis sind,
muss jeder für sich entscheiden. Immerhin kosten reine
ADSL2+-Modemrouter mit WLAN in der Regel schon mehr als 50 Euro.
Nichtsdestotrotz erwartet der Kunde speziell bei einem Produkt eines
nicht ganz namenlosen Herstellers, dass alle versprochenen Funktionen
ohne Einschränkungen genutzt werden können. Die Horstbox enttäuscht in
dieser Hinsicht.

Den D-Link-Support habe ich übrigens über all das bereits vor einigen
Wochen informiert. Eine brauchbare Rückmeldung habe ich jedoch bis
heute nicht erhalten. Offenbar ist man auch dort mit den Wehwehchen der
Horstbox überfordert. Auch das könnte ein Grund sein, vom Kauf des
Geräts abzusehen.

Ich werde jetzt noch auf die Antwort des D-Link-Supports und ggf. auf
ein Firmware-Update warten. Wenn die Fehler dann nicht behoben sind,
werde ich das für die Box gezahlte Geld wohl als Lehrgeld abschreiben
müssen. Glücklicherweise benötige ich die Telefoniefunktionen der Box
derzeit nicht, ich benutze sie nur als Modemrouter. Wenigstens das
funktioniert einigermaßen.

xpost de.comm.internet.telefonie, de.comm.technik.dsl,
de.comp.hardware.netzwerke.misc
fup2 de.comp.hardware.netzwerke.misc

Gruß

Michael


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