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Re: Ach, Iwan...

Von: Andreas Iwanowitsch (a.iwanowitsch@gmx.de) [Profil]
Datum: 30.06.2008 16:08
Message-ID: <g4apc2$ol7$1@oemcomputer.oerks.de>
Newsgroup: de.alt.talk.unmut
Benedikt Rosenau schrieb:

[...]


(Die Analyse ist brillant, es ist nur wenig hinzuzufügen.)

> Im Spiel gegen die Tuerkei naemlich gab es mehrere Szenen, wie
> Loew am Spielfeldrand den Leuten Signale gab: dann wich die Wut
> der Verzweiflung, und er konnte sich nur mit Gewalt am _Weinen_
> hindern. Einmal musste er sich sogar abdrehen, um die Fassung
> wieder zu erlangen. Das hat einen durchschaubaren Grund: Loew
> kann die Mannschaft nicht motivieren, und er weiss, dass er es
> nicht kann. Wenn man beruecksichtigt, dass sein Vorgaenger
> Klinsmann es mit denselben Leuten geschafft hat, wird klar, bei
> wem das Problem liegt. Es ist Loew, nicht die Mannschaft. In
> dieses Bild passt aufs Schoenste, dass es der Mannschaft nicht
> geschadet hat, als Loew auf die Tribuene verbannt wurde.

Ist "Motivation" wirklich das gesuchte Wort hier? Man ist im EM-Finale,
die Aussicht auf den Titel sollte doch Motivation überreich bieten. Da
müssen wohl wohl ein paar längere psychologische Dissertationen verfaßt
werden, um dem beobachteten Phänomen gerecht zu werden. Denn immerhin
hat man ja gezeigt, daß man es _kann_!

Es ist nicht nur der Trainer. Die eklatanten Abwehrschwächen, die offen
zur Schau getragene Unsicherheit des Torwarts, all das hatten wir[tm]
früher in dem Ausmaß nicht zu bieten.

> Schon im Spiel gegen Kroatien zeichnete sich ab, dass die Leute
> nicht wussten, was sie tun sollen. Das passiert, wenn man zu viele
> und komplizierte Vorgaben kriegt. Dann haelt man sich zurueck und
> ueberlaesst es dem Mitspieler, gegen die Vorgaben zu verstossen,
> um spaeter Aerger zu kriegen. (Es gab andere Teams, die aehnliche
> Symptome zeigten, um dann von motivierten Mannschaften ausgeschaltet
> zu werden. Man sehe etwa die Tschechen.).
>
> In anderen Worten: dem modern-komplizierten Angriffsfussball wurden
> die Motivation und der Wille geopfert. Nervositaet und Kompliziertheit
> ersetzen Entschlossenheit.

Es ist zu bedenken, warum der modern-komplizierte Angriffsfußball so
gerne zelebriert wird. Erster Punkt ist sicher, daß Fußball kein
Selbstzweck ist, sondern ein Geschäft. Gewinnen allein reicht für eine
gute Quote, hohe Werbeeinnahmen und entsprechend hohe Gehälter nicht
aus. Es muß auch _schön_ gewonnen werden. Der Zuschauer zahlt den
Eintrittspreis, um unterhalten zu werden.

Ad 2) ist der modern-komplizierte Angriffsfußball erfolgreich,
allerdings vor allem im Vereinsgeschäft, wo man sich mit ausreichend
Geld beliebige Spieler zusammenkaufen und die regelmäßig zusammen
trainieren und spielen lassen kann. Privilegien, die eine
Nationalmannschaft nicht hat.

Unterm Strich kann man Deine Analyse auch so lesen, daß unsere Spieler
offensichtlich zu dumm für das geforderte System sind.

> Wenn es so weiter geht, ist der deutsche
> Fussball nur noch einer von vielen.

Es gab schon schlimmere Zeiten.

Andreas

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