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Re: Ach, Iwan...

Von: Benedikt Rosenau (rosenau@imperial.addict.de) [Profil]
Datum: 30.06.2008 18:50
Message-ID: <g4b2sd$1ds6$1@nessy.newsmonster.de>
Newsgroup: de.alt.talk.unmut
Andreas Iwanowitsch <a.iwanowitsch@gmx.de> schrieb:

[...]

> Ist "Motivation" wirklich das gesuchte Wort hier? Man ist im EM-Finale,
> die Aussicht auf den Titel sollte doch Motivation ueberreich bieten. Da
> muessen wohl wohl ein paar laengere psychologische Dissertationen verfasst
> werden, um dem beobachteten Phaenomen gerecht zu werden. Denn immerhin
> hat man ja gezeigt, dass man es _kann_!

Yes, we can. Podemos.

Mir ist nach einem Spiel zu oft betont worden, da habe jeder fuer
jeden gespielt, als dass mein Misstrauen haette unterdrueckt werden
koennen. In dem Spiel stimmte es, ja. Und gestern nicht*.

Da liegt der Hase im Pfeffer. Und wo es bislang eine der Staerken
der deutschen Mannschaft war, genau auf diese Weise gegen nominell
ueberlegene Einzelspieler zu gewinnen, mache ich mir Sorgen. Die
Schuld sehe ich allerdings bei Loew. Er patzt auch sonst. Lahm hatte
allem Anschein nach Angriffsverbot gegen die Tuerkei, und obendrein
hatte Loew _Angst_ vor einem Elfmeterschiessen gegen die Tuerken.
Lieber 4-4-2 in der Verlaengerung. Das ist bemerkenswert. Und das
Spiel mit 5 Stuermern gegen die Kroaten wird fuer immer in den
Lehrbuechern als Muster dafuer landen, wie man es ganz garantiert
bestimmt nicht macht. Die Medien lachten sich nicht scheckig. Das
wundert mich erst recht.

*Da hakt auch was zwischenmenschlich. Der Verdacht, dass Ballack
mittendrin steckt, ist naheliegend. Er war schon frueher nicht
beliebt. Sein einsamer Torjubel gegen Suedkorea bleibt im
Gedaechtnis eingebrannt.


> Es ist nicht nur der Trainer. Die eklatanten Abwehrschwaechen, die offen
> zur Schau getragene Unsicherheit des Torwarts, all das hatten wir[tm]
> frueher in dem Ausmass nicht zu bieten.

WM 2002. Ausserdem war es eine EM der kaputten Abwehren. Nur mal
am Rande.


> Es ist zu bedenken, warum der modern-komplizierte Angriffsfussball so
> gerne zelebriert wird. Erster Punkt ist sicher, dass Fussball kein
> Selbstzweck ist, sondern ein Geschaeft. Gewinnen allein reicht fuer eine
> gute Quote, hohe Werbeeinnahmen und entsprechend hohe Gehaelter nicht
> aus. Es muss auch _schoen_ gewonnen werden. Der Zuschauer zahlt den
> Eintrittspreis, um unterhalten zu werden.

Touche! Ich habe vergessen zu beruecksichtigen, dass die Medien
sich nach der Decke des ignoranten Zuschauers strecken muessen.
Es ist ein selbsterhaltendes System.


[...]

> Unterm Strich kann man Deine Analyse auch so lesen, dass unsere Spieler
> offensichtlich zu dumm fuer das geforderte System sind.

Ich glaube nicht, dass sie fuer erfolgreichen, wenngleich unmodischen
Fussball zu dumm sind.


[...]

> Es gab schon schlimmere Zeiten.

Wie gesagt, an mir nagt die Sorge, dass da etwas, das den deutschen
Fussball einzigartig und erfolgreich gemacht hat, zerstoert wird.
Benedikt

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