Re: city night line
Von: Andreas Iwanowitsch (a.iwanowitsch@gmx.de) [Profil]
Datum: 20.05.2008 22:18
Message-ID: <g0vblq$6k7$1@oemcomputer.oerks.de>
Newsgroup: de.alt.talk.unmut
Datum: 20.05.2008 22:18
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Benedikt Rosenau schrieb: > [...] > > > Willkommen in der Welt der Humanmedizin. Man wird oft schraeg angeschaut, > > wenn man sagt, dass Medizin keine Wissenschaft ist. > > Die mir bekannten Aerzte, die darueber reden, sagen dasselbe. Vermutlich > will der Abnehmer es nicht hoeren. Die Konsequenzen waeren zu erschreckend. Das paßt zu: > > Es mag Dich nicht troesten, aber ich bin schon etwas weiter - Dein > > Vertrauen in randomisierte Doppelblindstudien ist fast schon ruehrend. > > Dabei besagt schon die Theorie der statistischen Signifikanz, dass bei > > 100 Studien fuenf dabei sein muessen, deren Ergebnis gequirlte Kacke ist. > > Umso schwerer wiegt, dass die Homoeopathie noch nicht einmal auf > diesem Weg Treffer landet. > > Dennoch muss ich Dir widersprechen. Der Einwand ist mir bekannt. > Ich kann serienweise Statistiker zitieren, die Randomisierung (geht > nicht, ist in Wahrheit eine zusaetzliche Verzerrung), Tests (ver- > nichten Information), Signifikanzniveaus (wissen nicht, was sie > sollen, und erzeugen Fehler) verdammen. Die praktische Anwendung > liegt auf der Hand - man findet zu jedem Versuch die statistische > Theorie, die ihn im gewuenschten Sinne auslegen laesst. Gute Statistiker machen das nicht. Gut bezahlte womöglich schon. Können wir uns darauf einigen, daß Statistik sich zur Mathematik verhält wie Medizin zu den Naturwissenschaften? (Wobei - kleiner Exkurs - ich Bedenken habe, Chemie und Physik als exakte Wissenschaften darzustellen, wenn ich es an der Reproduzierbarkeit von Versuchsergebnissen aufhänge. Manche Praktika waren da sehr ernüchternd, vor allem im Bereich der Schnittmenge, der physikalischen Chemie. Ab und zu beneide ich euch Mathematiker um das Diktat der Logik.) > Eine praktische Anwendung bleibt aber. Dem Profanen ist kaum > bekannt, dass die Geschichte der Mathematik eine Geschichte der > Polemik ist. Um das zu wissen, muß man das Fach wohl studiert haben. > > (Zwischenfrage: Unser Grueppchen Heuschnupfengeplagter beobachtete > > unisono, dass der Verzehr von Obst keine leichte Uebung mehr ist. Aepfel > > und Birnen mag ich schon gar nicht mehr, nicht nur, dass die Lippen und > > die Zunge brennt, es wird auch recht kratzig im Hals. Anders als meine > > 20 Jahre juengeren Kolleginnen kann ich aber noch Kirschen beschwerdefrei > > essen. Noch jemand mit dieser Erfahrung?) > > Ja. Aethin"gereiftes", de facto unreifes Obst - mit Ausnahme von > Bananen (oder sind die Gemuese?) - loest das bei mir aus. Das, was > unansehnlicherweise und ohne Frischegarantie auf Baeumen waechst, > tut es nicht. Tja. Bei mir sind die Äpfel und Birnen aus dem eigenen Garten besonders anstrengend; bei Supermarktobst ist das Phänomen ebenfalls lästig, aber geringer ausgeprägt. Ich tippe auf die Fruchtsäuren. > Exkurs: inzwischen erzaehlen mir selbst Taxifahrer aus dem erweiterten > Polenrandgebiet, sie wuerden zum Einkaufen ueber die Grenze fahren, > da sie den Dreck aus deutschen Supermaerkten nicht mehr essen moegen. > Bei allem Pespekt vor der Qualitaet der polnischen Zutaten war fuer > mich ein Teller lettischer Fruehkartoffeln die Offenbarung. Ich weigere > mich inzwischen, die Staerkeknollen, die hier verhoekert werden, als > Kartoffeln zu bezeichnen. Ich halte Deine Aussage für einen selbsterstellten Hype. Als in ländlichen Gegenden Aufgewachsener bin ich mit der Landwirtschaft geringfügig vertraut; Familie Iwanowitsch hatte bis in die frühen 80er Jahre einen eigenen Garten, dessen Grundfläche groß genug war, um den Jahresbedarf an Kartoffeln selbst anzubauen. Außer einem überproportional großen Anteil kleiner Kartoffeln und dem ständigen Krieg gegen den Kartoffelkäfer habe ich über die Jahrzehnte keinen wesentlichen Unterschied ausgemacht bezogen auf das, was auf dem Teller landet. Die Qualität der Supermarktware schwankt übers Jahr, es gibt ausgesprochen gute und gelegentlich auch ausgesprochen schlechte Ware. Die Kartoffeln aus dem Landhandel sind von diesen Schwankungen ebenfalls betroffen. Das Herkunftsland spielt diesbezüglich eine eher untergeordnete Rolle, frische Frühkartoffeln aus Ägypten sind besser als überlagerte Kellerware aus hiesiger Produktion. > [...] > > > Nun, per definitionem haben sie recht. Homoeopathie ist mit dem > > Goldstandard "Randomisierte, kontrollierte Doppelblindstudie" nicht > > erfassbar, weil ein wesentlicher Bestandteil der H. das individuelle > > Eingehen auf den Patienten ist (*), was wiederum mit dem Konzept des > > Randomisierens (jeder ist gleich) nicht vereinbar ist. > > Wobei sie da nur eine Steilvorlage zum Eigentor ausnutzen. Das > Gesundheitssystem verdient seinen Namen nicht. Der Leites des > hiesigen Klinikums hausiert damit, dass er Pflegepersonal freisetzt. > Das drueckt die Kosten. Was man dabei gewinnt, darf in den ueblichen > Loechern versickern. Und selbst, wenn man es in mehr Apparate, die > Ping machen, investierte, sagt einem der gesunde Menschenverstand, > dass mehr Pflegepersonal hilfreicher waere - unter anderem auch fuer > das Pflegepersonal. Aber der Gedanke, dass der Arbeitgeber eine > Fuersorgepflicht hat, ist laengst der offenen Bereitschaft zur > Ausbeutung gewichen. Das einzige Gegenmittel, was mir einfaellt, > ist, dass wir die Funktionaere des Gesundheitssystems bis hin zum > Ministerium darauf festnageln, wie Kassenpatienten behandelt zu > werden. Als ersten Schritt haben sie ja schon mal auf die Diätenerhöhung verzichtet. Vielleicht kriegen wir sie ja so weit. Was mich immer wieder fasziniert, ist, daß die Analyse des Problems so entsetzlich trivial ist. Es muß einfach eine Verschwörung sein. > Ein signifikanter (sic) Anteil von Pfaelzern fluechtet sich ins > Dunkle, anstatt sich mannhaft auf dem Rad den Pollen zu stellen. Der Kampf gegen Pollen macht keinen Spaß, sie bluten und sie schreien nicht. Andreas[ Auf dieses Posting antworten ]
