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Beamtendeutsch als anerkannte Berufskrankheit?

Von: Christian Baer (christian.baer@uni-dortmund.de) [Profil]
Datum: 14.06.2008 17:55
Message-ID: <g30p61$1l81$1@nermal.rz1.convenimus.net>
Newsgroup: de.alt.sysadmin.recovery
Guten Tag, liebe Leute!

Diese Frage ist wohl eher vollkommen OT hier. Ich stelle sie mal in der
Gruppe, weil mit Sicherheit ein paar Mitglieder der Gemeinde bei
Behörden arbeiten werden und bestimmt auch ein paar Leidensgenossen so
hier rumschwirren werden.

Wann genau in der Laufbahn eines Beamten verlernt dieser eigentlich zu
kommunizieren? Woher kommt sowas? Ist es ansteckend?

Anlaß dieses Beitrags ist ein Bekannter von mir, der nach der Schule
Beamter wurde. Wenn ich heute etwas lese, was er geschrieben hat,
bekomme ich immer eine kleine Krise. Die beste Stilblüte der letzten
Zeit war:

Unbeachtlich ist für uns das schreiben vom...

Gemeint war ein Schreiben, das für den Sachverhalt vollkommen nutzlos
war, weil es nichts zur Sache enthielt. Eine andere schöne Sache:

Nach Prüfung der baulichen Eignung...

Das scheint eigentlich ganz normal zu sein, wenn man denkt, daß die
Eignung eines Gebäudes für einen bestimmten Zweck geprüft werden sollte.
Es ging aber darum, ob auf einem bestimmten Bauplatz ein angedachtes
Bauvorhaben genehmigt werden könnte.

Woher kommt dieser (scheinbare) Zwang, möglichst alle Verbien in einem
Satz zu sustantivieren und die Lücken dann mit Hilfsverbien aufzufüllen?
Warum gibt es für Beamten fast nichts außer passiv? Böse Zungen
würden
jetzt vielleicht meinen, daß Wörter, die Tätigkeit andeuten, für
einen
Beamten ebenso unwirklich erscheinen alles aktive.

Es gibt ja hinreichend Verarschungen von Amtdeutsch. Hier zwei aus
Rotkäppchen:

- Nach Beschaffung einer Pulverschießvorrichtung zu Jagdzwecken [...]
- Der Wolf wurde nach Empfangnahme des Geschosses ablebig.

Auch da sieht man den Drang, ein Dingwort aus einem Tuwort zu machen
(Wörter, von meiner Mutter aus der Grundschule). Doch woher dieser Drang?

Kann man Beamtendeutsch (und die damit verbundene Unfähigkeit zu
kommunizieren) als eine Berufskrankheit bezeichnen? Oder ist
Beamtendeutsch ein anerkannter deutscher Dialekt, der die Fähigkeit mit
Personen außerhalb der eigenen Gruppe kommunizieren zu können (wie das
z.B. im schwäbischen oder oberbayrischen Raum der Fall ist) unnötig macht?

Gruß
Christian

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