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Re: Farbmanagement

Von: Helmut Aschauer (aschauer.h@aon.at) [Profil]
Datum: 26.12.2006 19:32
Message-ID: <C1B72950.1585%aschauer.h@aon.at>
Newsgroup: de.alt.rec.digitalfotografie
Am 26.12.2006 18:15 Uhr schrieb "Norbert Schulze-Kahleyß" unter
<norbert@schu-ka.de> in emrlc3$3sk$1@online.de:

> Hallo NG!
>
> Ich bräuchte mal etwas Farbberatung:
>
> Kürzlich habe ich eine große Menge Fotos zum Ausbeslichten
geschickt und
> fand das Ergebnis durchweg etwas dunkel und flau. Am Monitor sah alles
> besser aus.
> Im Telefonat hat man mir dann erklärt, ich solle ein Monitorprofil
> erstellen, den Monitor kalibrieren und und einen Softproof machen.
> Ich habe dann versucht, mich in das Thema einzuarbeiten. Ein Monitorprofil
> ist erstellt (EyeOne), der Monitor ist kalibriert und in Photoshop ist CM
> aktiviert. Ich verwende eine 20D und dann den Adobe Raw Converter, wobei ich
> fast alles auf Automatik lasse und nur gelegentlich die Belichtung
> korrigiere. Anschließend schärfe ich in Photoshop
über USM.
>
> So, die Bilder sehen für meinen Geschmack gut aus. Sie sind in der
Summe
> auch nicht auffallend anders bezgl. der Belichtung im Vergleich zu den von
> der Kamera produzierten jpgs. Wenn ich jetzt einen Softpoof mache (ich habe
> dafür das Druckerprofil des Labors) erscheint alles nur ganz
geringfügig
> flauer.
>
> Was ich jetzt nicht verstehe
> 1. Die jpgs, die ich zum Ausbelichten schicke, sind doch wohl völlig
> unabhängig von meinem Monitorprofil bzw. dessen Kalibrierung (o.k.,
sie
> sehen bei mir anders aus)?
> 2. Wenn  ich jetzt dieselben Bilder nochmal wegschicken möchte und
denselben
> workflow verwende, erhalte ich demnach dieselben Resultate auf Papier?
> 3. Wenn die Bilder jetzt bei mir gut aussehen und ich alles richtig gemacht
> habe, sollte ein Softproof dem Papierbild entsprechen?
>
> Ich habe von diesem Labor ein Testphoto auf Papier und als jpg-Datei, da
> hätte ich nicht gemeckert, das paßt zusammen.
>
> Bisher verstehe ich das so, dass nur das Kameraprofil in eine Datei
> eingebettet ist und sozusagen aus der Relation der Graphikdaten und des
> Profils das "richtige" Bild errechnet wird, beim Bildschirm dann
umgekehrt
> über das Bildschirmprofil das "richtige" auch dargestellt
werden soll.
>
> Wer weiß das genauer?
>
> Schönen Gruß,
>
> Norbert
>
>

Hallo Norbert,

Farbmanagement ist eine komplexe Sache. Die ganze Erklärung
würde den Rahmen
hier sprengen. Um dein Problem einzugrenzen:

Es gibt grundsätzlich drei Arten von Profilen, das Eingabeprofil (das der
Kamera oder vom Scanner),

das Monitorprofil

und das Ausgabeprofil (für den jeweiligen Drucker oder Druckmaschine).

Eingabeprofil muss dich nicht kümmern, das macht die Kamera.
Du solltest aber in deinem Fall auf „sRGB“ einstellen (nicht auf
„Adobe
RGB“, damit können die Belichtungsstudios nichts anfangen, das ist
–
weitläufig erklärt – für den
professionellen Druck). Also im RAW-Converter
bzw. schon in der Kamera auf sRGB achten (genauer sRGB IEC61966-2.1).

Monitorprofil hast du eh schon. Hier solltest du darauf achten, dass du den
Gamma-Wert (den Weißpunkt) nicht zu weit ins „blau“ verschiebst
(Gamma um
die 1.8 ist gut).

Das Ausgabeprofil hast du vom Dienstleister bekommen. Wenn du nun dieses
Ausgabeprofil installierst (hast du ja schon) und dein Softproof einrichtest
(dort musst du bei „Gerät simulieren“ das Profil
auswählen –
Renderingprioriät auf  „relativ farbmetrisch“ stellen,
„Papierfarbe
simulieren“ anklicken), dann  bekommst du aktiver Softproofansicht einen
Eindruck, wie dein Bild im Ausdruck mit den momentanen Daten aussehen wird.

Die korrekte Vorgangsweise wäre nun:

Vorbereitung:
Eingabe-Profil (in der Kamera oder im RAW-Konverter) auf sRGB
Monitorprofil auswählen aufgrund von EyeOne-Kalibrierung

Ausgabe:
In den Farbeinstellungen wählst du bei „RGB“ das oben
beschrieben sRGB
IEC61966-2.1. Dann öffnest du dein Bild und wählst
„Bearbeiten – in Profil
konvertieren“. Dort wählst du das Profil deines Dienstleisters und
konvertierst – wichtig – Renderingpriorität auf 
„relativ farbmetrisch
“ stellen – ins Profil deines Dienstleisters.  Somit sind die Bilddaten
umgerechnet und die Farben sollten beim Ausdruck deiner Photoshop-Ansicht
entsprechen. Datei neu abspeichern, da ja die Daten geändert wurden! Den
Original-Datensatz willst du ja behalten. Der „Softproof“ dient nur dazu,
vor der Konvertierung schon zu sehen, was der Farbraum deines Dienstleisters
überhaupt hergibt.

!!! Wenn das Testbild und die Datei deines Dienstleisters im Softproof auf
deinem System übereinstimmen, deine Bilder aber nicht, dann hat dein
Dienstleister ein Problem bei seiner Ausgabe! Dann sind Testbild und
Ausdruck nicht identisch mit seiner momentanen Einstellung.

--

Viele Grüße
Helmut




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