Buchtipp und Gedanken zu RJ Fischer
Von: Manuel Wehrmann (m.wehrmann@yahoo.de) [Profil]
Datum: 20.01.2008 15:52
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Newsgroup: de.alt.games.schach
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BUCHTIPP und GEDANKEN zu R. J. FISCHER Wer sich für die Person RJ Fischer näher interessiert, und wer sich über die Ereignisse vor und während der WM 1972 auf Island aus gut recherchierte Quelle ein eigenes Biuld machen will, der lese das Buch der BBC-Journalisten Edmonds und Eidinow: "Wie Bobby Fischer den Kalten Krieg gewann" (inzwischen sind die 430 Seiten als Taschenbuch für rund 10 Euro zu haben). Der Buchtitel ist ziemlich daneben, der Inhalt ist aber sehr gut recherchiert und brillant geschrieben - nämlich nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam. Die Autoren reisten quer durch die Welt, befragten viele Zeitzeugen von damals, auch z.B. den dt. Schiedsrichter Lothar Schmid. Wenn das Buch gelesen hat, wird Fischer mit anderen Augen sehen! Ich übrigens sehe ihn extrem zwiespältig: Fischer war psychiatrisch krank, er litt zeitlebens am Asperger-Syndrom (genetisch fixiert). Dieser seiner Krankheit, sie ist entfernt zugehörig zum Formenkreis des Autismus, verdanken Bobby (und wir Schachfreunde!) die zwei Extreme, die ihn einzigartig machen in der Schachgeschichte: 1) Sein grandioses, klassisches Schach. 2) Sein Abtauchen sofort nach dem WM-Titel. Das ist die Tragik seines Lebens: Ohne seine Krankheit hätte es vermutlich keinen Super-Schach-WM gegeben. Und wenn doch, würde er ohne Asperger-S. vermutlich heute noch leben, in Ehre ergraut als einer der ganz großen WM. Bedauerlich aus meiner (ärztlichen) Sicht ist auch, dass niemand (soweit ich weiß) es jemals vesuchte, Fischer mit seiner Krankheit zu konfrontieren und ihn auf mögliche (Verhaltens-) Therapien hinzuweisen. Dann wäre er uns vielleicht als Schachspieler erhalten geblieben. Auch zB der Mathematiker JF Nash litt unter dem Asperger-Syndrom. Das hinderte ihn aber nicht, sich via Therapie soweit im Leben zurecht zu finden und sozial anzupassen, dass er weiterforschen konnte (Nash-Gleichgewicht) - bis zum Nobelpreis (1994 zusammen mit dem Deutschen R. Selten). Asperger-Patienten (Verhältnis Männer : Frauen = 8:1) haben oft einen deutlich höheren Intelligenzquotienten als wir Gesunden. Der IQ von Fischer soll gut 180 betragen haben. Was das Schachliche betrifft, sollten wir auch nicht vergessen: Kein Weltmeister vor- oder nachher hat seinen Titel so ignorant (unwürdig?) getragen wie Fischer, keiner so kurz. Bekanntlich spielte er nach Island keine ernsthafte Partie mehr (die "Revanche-WM" 1992 in YUG gegen Spassky lasse ich mal außer acht). Auch hat Fischer zur Theorie wenig Neues beigetragen. Und seine kommentierte Partiensammlung (MMG) halte ich (und v. a. Robert Hübner nach seinen tiefen Analysen) nicht vor so umwerfend toll kommentiert, wie von US-Schachfans gern behauptet. In der Summe sehe ich Fischer als tragisch kranken, unglücklich gescheiterten Menschen. Eine bizarre Figur, die allerdings für das Schach in der Öffentlichkeit ungewollt(!) der beste Werbetrommler war, den das Schach jemals erlebte. Nur zwei Bespiele: Während der WM auf Island waren in New York sämliche Schachspiele ausverkauft, berichtete die Tagesschau allabendlich aus Reykjavik. Das waren noch Zeiten! Hier Infos zu dem eingangs empfohlenen Buch: http://www.bol.de/shop/buecher/suchartikel/wie_bobby_fischer_den_kalten_krieg_gewann/david _edmonds/ISBN3-596-17168-7/ID13713047.html?jumpId305594 Manuel Wehrmann[ Auf dieses Posting antworten ]
Antworten
- Gerald Fix (20.01.2008 18:09)
- Konni Scheller (20.01.2008 20:04)
