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Re: Freidenkerverein

Von: Ralf Schrader (ralf.schrader@gmx.ch) [Profil]
Datum: 10.06.2008 22:31
Message-ID: <6b86kfF3aon0gU2@mid.individual.net>
Newsgroup: de.alt.folklore.ddr
Andreas Henicke

> Materialismus erscheint mir zu eng, zu deterministisch. Energie, Materie
> und Information sind die Grundbausteine, die wir sehen. Und Materie
> erweist sich unter dem Blick des Wissenschaftlers als Illusion - da sind
> nur Quanten und Quarks, es könnten genausogut Bits und Bytes ein.
> Genaugenommen strukturierte, gefrorene Energie. Das zum einen.

Nein, natürlich nicht, der Materialismus sieht auch den Prozess als
materialistisch. Da war die DDR richtig gut, Röseberg, Hörz, Bücher wie
"Struktur und Prozess".

> Zum anderen neigen Materialisten zum "Erst kommt das Fressen, dann die
> Moral"-Zynismus.

Das ist Primitivmaterialismus, wobei ich froh gewesen wäre, wenn der in der
DDR wenigstens der eingehalten worden wäre. Aber selbst dazu hat es nicht
gereicht.

> Und vergessen, wie stark Gedanken, Ideen diese Welt
> verändert haben und noch verändern können.

Dann versuche Dir vorzustellen, dass auch Gedanken am Ende nur neuronale
Verschaltungszustände sind.

> Es gibt in der Natur keinen Zwang zum Rechtsstaat,

Natürlich gibt es den, es gibt den Gradienten zum System mit möglichst
minimalen inneren Widerständen und das ist auf die Gesellschaft bezogen der
Rechtsstaat. Auch wenn ich wieder nicht wirklich weiss, was das sein soll.

> es gibt kein Naturrecht auf Menschenrechte.
> Freiheit ist ein Luxusgut für Menschen,

Das sehe ich allerdings auch so und halte beides auch nicht für
wünschenswert. Meines Wissens ist Freiheit auch kein christlicher Wert.

> Vielleicht habe ich dich dann einfach noch nicht verstanden. Was hat die
> Kirche mit industrieller Arbeitsteilung zu tun? Meinst du, sie müsste
> dem Einzelnen die Verantwortung für sein Handeln abnehmen, weil moderne
> Prozesse dies gerne so haben wollen? Dann kann sie gerne altmodisch
> bleiben. Die Prozesse sind menschengemacht, wenn sie Verantwortung
> verschleiern liegt darin ein Interesse.

Das möchte ich noch einmal ausdrücklich betont sehen, auch wenn ich Dir da
widerspreche oder nicht verstehe. Natürlich war es immer der Anspruch der
Kirche, welcher auch immer, die unsäglichen Protestanten mal ausgenommen,
dem Einzelnen die Verantwortung für sein Handeln abzunehmen. Das Thema wird
gerade wieder aufgekocht mit der Neuauflage des Manifestes der
Neurowissenschaftler (findet man bei Google mit aktuellem Stand). Menschen
können nie für ihr Verhalten verantwortlich sein, dass ist weder
materialistisch noch idealistisch herleitbar. Das ist nackte Pragmatik und
die lehnen wir beide ja ab.

Ich sehe keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen Materialismus und
Idealismus, eigentlich sollte das jeder begreifen, der Dialektik begriffen
hat. Und um wieder einmal Bezug herzustellen, die DDR war idealistisch. Auch
das sollte jeder begreifen, der sie erlebt hat.

Ralf



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