Re: Freidenkerverein
Von: Ralf Schrader (ralf.schrader@gmx.ch) [Profil]
Datum: 12.06.2008 15:44
Message-ID: <6bcnh4F3c3ijaU1@mid.individual.net>
Newsgroup: de.alt.folklore.ddr
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Andreas Henicke schrieb > Danke für die Blumen. Nein, diese Welt muß uns nicht beherrschen. Wir > können diese Welt beherrschen. Ich glaube, das sagte ich schon. Diese > Welt ist vielgestaltig und offen genug, um zu verändern. Sicher kann > niemand PI umdefinieren oder die Gravitationskonstante verändern, die > weltweite Hungerquote innerhalb von 30 Jahren zu halbieren sollte > machbar sein. Wir müssen uns nur Ziele setzen. Am 20.November gegen 17:00 Uhr siegt sie Weltrevolution (das Jahr verrate ich nicht), aber die meisten Revolutionäre werden es erst am nächsten Tag verkatert in der Zeitung lesen. Und selbst wenn alle Revolutionäre nicht hingehen, findet sie trotzdem statt, am 20.November 17:00 Uhr. Wie man Hunger komplett und ein für alle Mal beseitigen kann, hat der Club of Rome vor über 30 Jahren überzeugend dargelegt. Man hätte damals 2% der weltweiten Rüstungsinvestitionen dafür gebraucht, heute sind es wahrscheinlich nur noch 0,5%. Ich sehe klaffende Widersprüche zwischen dem, was Menschen anstreben und dem, was wirklich passiert. Erfolgreiche Menschen sind die, die Entwicklungen voraus ahnen und rechtzeitig an Bord gehen. Sie werden dann von der Geschichte bewegt, aber sie bewegen keine Geschichte. Zur Zeit der Renaissance- Päpste, spätestens bei Alexander VI., war klar, das diese Form der Repräsentation von Christlichkeit vornehm ausgedrückt kontraproduktiv war. Diese entartete Struktur musste gemassregelt werden, ohne das Ganze in Frage zu stellen. Konsequent sind zwei Ansätze aufgetaucht, einer nur von Innen (Ignatiuz von Loyola) und einer von Innen, aber auf Aussen zielend (Luther). Beide Ansätze waren erfolgreich, sind aber in Folge sofort assimiliert und planiert worden. Ich will das jetzt nicht vertiefen, aber gerade an dem Beispiel sieht man, wie weit menschliche Handlungsfähigkeit reicht. Es war objektiv, dass das zutiefst verkommene Papstum spätestens ab Baubeginn der Petersdom einen Dämpfer bekommen musste, aber wie das passiert, war völlig egal. Gesehen werden das viele haben, Luther hat eben im Haus seines Freundes Lucas Cranach die entlaufene Nonne Katharina von Bora kennengelernt und wollte daraufhin das Zölibat brechen. Ignatiuz von Loyola sind 1525 beide Kniee von einer Kanonenkugel zertrümmert worden, da war die Offizierskarriere zu Ende und Jahre im Bett liegend, blieb ihm nichts weiter als zu lesen. Ausser der Bibel und diese interpretierende Schriften, gab es damals nicht viel. Beide waren starke Menschen, aber in der zweiten Reihe war genug Ersatzpersonal. Der lutherische Gedanke ist das erste Mal in der Aufklärung pervertiert worden, aber das lag auch an ihm, weil er philosophisch und religiös nicht tief genug war. Der heutige Protestantismus ist nicht mehr Lutherismus, er ist von den Idealen der Aufklärung übersteuert. Bibelstunden ähneln auffäliig SPD- Ortsgruppen- Versanstaltungen. Protestantismus ist übrigens ein von der katholischen Kirche erfundenes Schimpfwort. Aber der Jesuitenorden hat sich auch nicht dahin entwickelt, wie Ignatiuz es wollte. Ich sehe bei diesen ganzen Geschichten keine bewusste Einflussnahme von Menschen auf Geschichte, wenngleich sie in der Geschichtsschreibung diese illustrieren > > Gott steht außerhalb der Welt, Das geht nicht. > Gott steckt in uns, und Gott ist eine Metapher in unserem > Selbstverständnis Das geht. > Es muß wohl zwei Arten von Marxismus geben - wieder analog zum Glauben - > den einst in der Schule gelehrten dogmatischen Marxismus der > historischen Mission der Arbeiterklasse, so wie auch Papst Benedikt > Jungfrauenverehrung und Teufelsaustreibung gewähren läßt, Das ist gut, wenn auch naiv beschrieben. Ich glaube, ein intelleligenter Mensch wie Marx hat die historische Mission der Arbeiterklasse nicht ernsthaft in Erwägung gezogen, so wie Joseph Ratzinger Jungfrauenverehrung und Teufelsaustreibung nicht ernsthaft in Erwägung zieht. Bei ihm kann man das an seinen frühen Schriften sogar nachvollziehen, selbst an aktuellen Interviews. Das sind taktische Formulierungen und wer die nicht versteht, ist vom Mitreden ausgeschlossen. > lebendigen philosophischen Diskurs unter Intellektuellen. Im Moment > stehen die Chancen schlecht, aber aus den Trümmern könnte sich noch > etwas machen lassen - hin zum Kern der alten Schriften. Sehe ich nicht so. Besser standen die Chancen nie. Eigentlich ist doch alles klar und wer es nicht versteht. sollte sich nicht unter 'intellektuell' zählen lassen. Ralf[ Auf dieses Posting antworten ]
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- Andreas Henicke (16.06.2008 21:28)
- Kai-Uwe Thiessenhusen (18.06.2008 14:18)
