Re: Spiegel-Abo in der DDR?
Von: Klaus Bernstein (kbernstein@netcologne.de) [Profil]
Datum: 28.06.2008 20:24
Message-ID: <d2c73a38-1352-4ef2-96c7-17c8f2dfc5ef@56g2000hsm.googlegroups.com>
Newsgroup: de.alt.folklore.ddr
Datum: 28.06.2008 20:24
Message-ID: <d2c73a38-1352-4ef2-96c7-17c8f2dfc5ef@56g2000hsm.googlegroups.com>
Newsgroup: de.alt.folklore.ddr
On 27 Jun., 23:50, "Andre Sokolew" <soko...@web.de> wrote: > "Klaus Bernstein" <kbernst...@netcologne.de> schrieb: > > Einem Freund von mir hat der Besitz und die Weitergabe > > eines Buches von Wolfgang Leonhard immerhin fast zwei Jahr > > Knast eingebracht > > Hmm. > Ich wäre ein Idiot, würde ich das abstreiten, andererseits muss ich d as auch > nicht glauben. Dazu habe ich zu viel böse Erfahrungen gemacht mit Aussa gen, > die angeblich irgendein Freund gemacht haben soll. Daß Du mir nicht glaubst, kann ich ein wenig nachvollziehen. Zuviel Schwachsinn wird im Web verbreitet. Aber das ist keine Sache, die ich so vom Hörensagen aus dritter Hand habe, sondern eine Tatsache, die ich leider hautnah miterlebt habe. Zu hautnah, kann ich da sagen und damals hätte ich gern drauf verzichtet. > > > und mir die Abschrift einer Erzählung von Ray Bradbury > > (nichts subversives, sondern nur Science Fiction) großen > > Ärger mit der Stasi. > > Und hier glaube ich Dir allerdings aufs Wort. Na, wenigstens etwas. Aber da beide Dinge zusammenhängen, kannst Du eigentlich nur beide glauben oder beide nicht... > Insofern ist ja richtig, wenn hier als unhaltbarer Zustand beklagt wird, > dass in der DDR die Printmedien der BRD nicht wirklich zugänglich waren , > zumindest nicht frei zugänglich. Richtig ist auch, dass bestimmte > Schriftstücke mit Gummiparagraphen in staatsgefährdende Texte eingest uft > wurden und dass es dann verdammt eng werden konnte. > > Ma ganz ehrlich: Wenn die eine oder andere Publikation heutzutage nicht ( !) > erscheinen würde, wäre das vielleicht ein Gewinn. Dennoch ist eine de r > wichtigsten Grundlagen jeder freiheitlichen Demokratie, dass Meinungs- un d > Pressefreiheit gibt (und das empfinde ich nach meinen DDR-Erfahrungen > vielleicht sogar besonders intensiv)..Auch wenn dabei unglaublich viel > Dummheit verbreitet wird, ist das immer noch besser, als wenn der Staat > anmaßend festlegt, was "Dummheit" ist und was verbreitet werden darf. Da stimmen wir ja voll überein. > > Und daß der Paragraph 220, Absatz 2 des Strafgesetzbuches > > so schwammig formuliert war, daß man bei entsprechender > > Auslegung schon etwas riskierte, würde ich auch nicht als > > "Humbug" abtun: > > Keineswegs. Das war kein Humbug, sondern volle Absicht. > > <Zitat> > ""§ 220. Öffentliche Herabwürdigung. (1) Wer in der Öffentlichkei t die > staatliche Ordnung oder staatliche Organe, Einrichtungen oder > gesellschaftliche Organisationen oder deren Tätigkeit oder Maßnahmen > herabwürdigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit > Verurteilung auf Bewährung, Haftstrafe, Geldstrafe oder mit öffentlic hem > Tadel bestraft. > (2) Ebenso wird bestraft, wer Schriften, Gegenstände oder Symbole, die > geeignet sind, die staatliche oder öffentliche Ordnung zu beeinträcht igen, > das sozialistische Zusammenleben zu stören oder die staatliche oder > gesellschaftliche Ordnung verächtlich zu machen, verbreitet oder in > sonstiger Weise anderen zugänglich macht." > </Zitat> > > Also zumindest lese ich da nicht den Begriff "Besitz", um noch einmal auf > die Muendig-Behauptung zurückzukommen. Natürlich steht da nichts von "Besitz" drin. Aber Du weisst doch selbst, wie die Lage war. Wer irgendwas Gedrucktes besass, das andere nicht hatten, der hat es selbstverständlich guten Freunden weitergegeben, und schon hast Du die "Verbreitung" bzw. das "zugänglich machen". Und wenn dann einige der guten Freunde doch keine so guten Freunde waren, wie man viel später aus seiner Stasiakte erfahren musste, dann war der "Operative Vorgang" schon fast abgeschlossen. > Mein Tipp: > Erkläre allen Leuten, wie schlecht die DDR war, erkläre es vor allem Deinen > Kindern und in ein paar Jahren den Enkeln. Da gibt es viel zu erzählen! > Damit kannst Du dafür sorgen, dass das nie wieder passiert. Aber hüte Dich > davor, der DDR Schlechtigkeiten anzudichten, die es gar nicht gab. Das w ürde > eines Tages gnadenlos vor Deine eigene Füße fallen, Deine Kinder oder Enkel > erfahren die Wahrheit und glauben Dir plötzlich kein Wort mehr, und dan n ist > guter Rat teuer. Also, ich habe lange drüber nachgedacht, ob und wie ich auf diesen Tipp reagieren soll. Vielleicht bin ich etwas zu empfindlich, aber ich habe den Eindruck, Du unterstellst mir da was. Ich kann mich irren, im Eifer des Gefechtes übers Ziel hinausschiessen usw., aber ich möchte niemandem etwas "andichten", auch der DDR nicht. Aber da Du mich nicht kennst, und ich dich vielleicht auch in meinem Beitrag ab und zu etwas hart angegangen habe, würde ich sagen, wir sind quitt. Viele Grüße Klaus[ Auf dieses Posting antworten ]
Antworten
- Andre Sokolew (28.06.2008 23:33)
