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FAZ: Mit den Zweien sieht man das Elend

Von: Michael Mueller (michael.mueller42@freenet.de) [Profil]
Datum: 29.04.2008 06:23
Message-ID: <67nm68F2pb46mU1@mid.individual.net>
Newsgroup: de.alt.fan.haraldschmidt
Schmidt & Pocher
Mit den Zweien sieht man das Elend
Von Michael Hanfeld

28. April 2008 Die vergangene Fernsehwoche hat zweierlei Dinge gezeigt,
die man erschütternd nennen könnte, wollte man es
für wichtig nehmen:
Sat.1 hat inzwischen die beste Late Night Show im deutschen Fernsehen,
und das, obwohl Niels Ruf sie macht. Und: Harald Schmidt ist am Ende.
Sollte er noch irgend einen Anspruch an sich selbst stellen, müsste er
jetzt vors Publikum treten und sagen: Hier stehe ich und kann nicht
anders als zu sagen, dass ich mich gerirrt habe.

Geirrt hat sich Schmidt vor allem in seinem Möchtegern-Nachfolger Oliver
Pocher, der nicht nur eine unheimliche Vorliebe fürs Herbe hat, sondern
gar nicht anders kann, als Zoten zu reißen und eine Unterleibsgroteske
an die nächste zu reihen. Kein Esprit, nirgends. Kein
Feingefühl für die
Pointe und – mehr noch – keines für den Umgang mit anderen,
mit Gästen
zumal. Während es jemand wie Hape Kerkeling meisterhaft versteht,
Unbekannte in eine kurios-missliche Lage zu bringen, sich dabei aber
niemals über sie lustig macht, sondern über sich selbst
respektive seine
Figuren, da gibt Pocher seinem Gegenüber eins auf die Zwölf,
dass es nur
so scheppert.

Der gelangweilte Onkel

Oder aber er kapituliert vor jemandem wie der in der vergangenen Woche
geladenen „Lady Bitch Ray“, die munter aus der Gosse bramabarsieren
durfte, bis Harald Schmidt endlich auf die Idee kam, den sittlichen Sinn
und Zweck des Ganzen aufscheinen zu lassen. Pocher aber blieb stumm,
hinterließ, wie sonst auch, verbrannte Erde, aber keine Lacher. Und
wenn, dann nur solche, die einem im Halse stecken bleiben. Harald
Schmidt sollte sich eingestehen, dass es so nicht mehr weitergeht, nicht
mit Pocher und nicht mit dem unwitzigen Humor-Internisten Dr. med.
Eckart von Hirschhausen – es sei denn Schmidt erfüllt seinen
Vertrag mit
der ARD mit einem noch größeren Zynismus, als er ihn sich als
Moderator
auferlegt, und gefällt sich darin, in seiner Show nurmehr als
gelangweilter Onkel aufzutreten und nicht mehr als „Spiritus Rector“.
Blättern

Wer hätte gedacht, dass einem eines Tages Niels Ruf als
Hoffnungsträger
erschiene? Mit der Verschiebung seines Formats vom Sat.1-Comedy-Kanal
ins Hauptprogramm des Senders hält sein persönliches Format
als
Gastgeber zwar noch nicht ganz Schritt, doch sollten die Autoren seiner
Gags daran noch etwas ändern können und ihm beibringen, dass
man wider
die political correctness mit dem Vorschlaghammer nicht eben am besten
ankommt. Doch wenigstens denunziert er seine Gäste nicht, auch wenn sein
Zwiegespräch mit dem Bodybuilder-Mimen Ralf Möller
über gutgemeinte
Ratschläge für die Jugend – weniger Fast Food, keine
Süßgetränke, dafür
Sport (es fehlte der Hinweis auf Drogen) – am vergangenen Freitag nicht
hinauskam und man sich ein ernsthafteres Gespräch mit der Schauspielerin
Yangzom Brauen, die sich für Tibet einsetzt, schon gewünscht
hätte. „Mit
den Zweien sieht man besser“ lautet der Werbespruch von „Schmidt &
Pocher“. Von wegen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~EE92DAFD3FC914945A713452B5CAC
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