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Re: Toleranz

Von: Klaus P. Huber (aon.912539900@aon.at) [Profil]
Datum: 11.07.2009 03:10
Message-ID: <4A57E687.8B3C429F@aon.at>
Newsgroup: de.alt.astrologie
Hi !

Hier wurde u.a. geschrieben:

>  >>>> "Im Namen der Toleranz sollten wir das Recht beanspruchen,
die
>  >>>> Intoleranz nicht zu tolerieren." (Sir Karl Popper)

V.D. wrote:

> >>> Das ist Murks und ein Widerspruch.

>  >>> Aber 'Toleranz' ist selbst eine Heuchelei:

Abgehakt, weil schon im Thread  "wäre es vielleicht..." beantwortet.

>  >>> Das des Anderen ist das Seinige und d........

Schon Gelesenes gesnippt

Werner Merk schrieb:

>  > Karmaglauben ohne Mitgefühl und Toleranz ist eine ganz
>  > üble Sach!
>  > Geht in Richtung Gnadenlosigkeit und Vergeltungsdenken.
>  > Motto ---> > 'Na, de werns scho verdient ham!'
>
>  >>> Das des Anderen ist das Seinige und das steht ihm frei.
>
>  > Jo. Stand in Eisen geschmiedet überm Tor des KZ Buchenwald.
>  > Nur schrieben die alten Nazis noch besser Deutsch:
>  > 'Jedem Das Seine' stand dort.
> -

> V.D. schrieb:

> "Jedem das Seine, lateinisch suum cuique, ist einer der klassischen
> Grundsätze des Rechts.

Gerade Sprachliches kann auf übelste Weise mißbraucht werden.

Sich auf die Römer auszureden, ist mMn nur Sprachtaktik.
B.t.w. war das Römische Reich eines der pervertiertesten
Imperien in der Menschheitsgeschichte. (Und wir schleppen
immer noch deren Rechtssystem herum.
Ob das von Vorteil ist, sei hinterfragt;-|?? )

> In der lateinischen Version ist die Redewendung die Ordensdevise des von
> Friedrich I. gestifteten Schwarzen Adlerordens und davon abgeleitet auch
> das Motto der Feldjägertruppe der deutschen Bundeswehr.

"Subtil_martialische" Verwendung, oder;-((?

> Pervertiert gebraucht wurde die deutsche Übersetzung als von innen zu
> lesendes Motto am Eingangstor des Konzentrationslagers Buchenwald.
>
> In heutiger öffentlicher Diskussion steht, ob "Jedem das Seine"
> historisch zu sehr belastet ist

Ist es, in der Tat;-(!

> um unbefangen verwendet zu werden. Der
> Forderung, durch den Verzicht auf einen gedankenlosen Gebrauch ein
> würdiges Andenken an die Opfer des Nationalsozialismus zu wahren und den
> Überlebenden Respekt zu erweisen, steht die Ansicht gegenüber, dass
> "Jedem das Seine" meist

meist? wann bitte, zu welchen Anläßen?

> in einem achtbaren Sinne gebraucht worden sei

wann, von wem, von welchen Organisationen?

> im Gegensatz beispielsweise zu "Arbeit macht frei."
>
> "Suum cuique geht als Grundsatz auf das antike Griechenland zurück. In
> der Politeia stellte Platon fest, dass Gerechtigkeit besteht, wenn man
> das Seine tut und nicht vielerlei Dinge treibt.

Nicht leserliches gesnippt.

> polypragmonein dikaiosyne esti, IV 433a). Jeder soll das Seine (für die
> Gemeinschaft, den Staat) tun, und zwar in Art und Umfang so, wie es
> seinem Wesen, seinen Möglichkeiten und den individuellen Umständen
> entspricht.

Daran wäre ja  prinzipiell  nichts auszusetzen, wenn dieser Satz nicht auf
menschenverachtende,
zynisch-höhnende Weise mißbraucht worden wäre.

> Ergänzend erklärte Platon, dass auch jeder das Seine bekommen soll und
> dass niemandem das Seine genommen werden soll (433e)."
>
> "Einige Dinge stehen in unserer Macht, andere hingegen nicht. In unserer
> Macht sind Urteil, Bestrebung, Begier und Abneigung, mit einem Wort
> alles das, was Produkt unseres Willens ist. Nicht in unserer Macht sind
> unser Leib, Besitz, Ehre, Amt, und alles was nicht unser Werk ist. Was
> in unserer Macht ist, ist seiner Natur gemäß frei, kann nicht verboten
> oder verhindert werden; was aber nicht in unserer Macht steht, ist
> knechtisch, kann verwehrt werden, gehört einem anderen zu.
>
> Deshalb bedenke, .....

Schon Gelesenes der Übersicht halber gesnippt.

> "Der Begriff Toleranz (auch: Duldsamkeit, abgeleitet vom lateinischen
> Verb tolerare, das "ertragen", "durchstehen",
"aushalten" oder
> "erdulden", aber auch "zulassen" bedeutet) wird unter anderem
im
> sozialen, kulturellen sowie religiösen Kontext gebraucht.

Und mißbraucht, wie man in den nächsten Sätzen erkennen kann:

> Toleranz ist der Verzicht auf die Option, ein gegen sich gerichtetes
> Übel abzustellen.

Und jetzt wird's, wieder einmal, abstrus:

> Daher kann nur toleriert werden, was
> 1. ein Übel darstellt

Du tolerierst üble, wenn nicht sogar kriminelle Machenschaften?
Wer ist Dein Arbeitgeber?

> Gutes, Positives oder Berechtigtes kann demnach
> nicht toleriert werden.

Klartext: wenn es nach Dir ginge, dürften z.B. karitative
Handlungen nicht zugelassen werden. (Der "VDämon"
zeigt immer erkennbarer seine schiache Fratze
unter seiner Maske.)

> Es kann 2.tens nur toleriert werden, was gegen sich gerichtet ist.

Selbstzerstörerische Handlungen, e.g., Suizid, können toleriert werden?
Na bumm;-((! Nach dem Motto: Soin se hoid de Deppen söba hamdrahn,
wann's manan. Bleibt "uns"(tm) wenigstens die (Drecks-) Arbeit erspart;-((!

> (Was einen selbst nicht betrifft oder nichts
> angeht, kann man nicht tolerieren.)

Wa~nn des net krank is ;-(((.....

Ganz im 'Gegentum': was einen nicht betrifft, kann locker ignoriert
werden, oder?!

> Es kann 3.tens nur toleriert werden,wenn :

> Man muss über die Option verfügen, das Übel, statt es zu tolerieren,
> genauso gut auch abstellen zu können.

"Parkplätze" für üble Machenschaften.........

> (Wer diese Wahlmöglichkeit nicht
> hat, der kann logischer Weise sein Erdulden nicht als freiwillige
> Hinnahme des Übels, also als Toleranz bezeichnen.)

Jetzt kommen ausnahmsweise erstaunlich logische Sätze :

> Toleranz wird teils als Tugend geschätzt, teils als Sünde bekämpft,
> teils als Stärke gelobt, teils als Schwäche getadelt.
>
> Unter Intoleranz wird das Nicht-Dulden von Menschen verstanden, die
> (gemessen am allgemeinen Durchschnitt) anders sind, besonders bezüglich
> ihrer Nationalität, Religion, Sexualität, Sprache, Meinung, Erscheinung
> (Aussehen); als Gegenteil von Toleranz ist nicht eine mangelnde
> Akzeptanz gemeint, sondern das Einschreiten einer Partei gegen eine
> andere Partei, etwa Verfolgung einer Gruppe durch eine andere.
>
> Nicht gemeint sind Schwierigkeiten im Zusammenleben (beruflich,
> gesellschaftlich, kulturell). Kulturelles Zusammenleben kann nicht
> intolerant sein, da es sich nicht auf nicht zusammen Lebende bezieht.
>
> Intoleranz ist oft mit religiösem Fanatismus verbunden. Dies ist meist
> dann der Fall, wenn der eigene Glaube als einzig wahr angesehen wird und
> anderen Religionen die Gleichberechtigung abgesprochen wird.
>
> Sexuelle Minderheiten wie Homosexuelle und Transsexuelle leiden unter
> Intoleranz und werden vor allem, aber nicht nur, in stark religiösen
> Gebieten bekämpft. Behinderte sehen sich unterschiedlichen Formen von
> Behindertenfeindlichkeit ausgesetzt."
>
> Wenn also jemand im Namen der Toleranz darauf verzichtet, ein gegen sich
> gerichtetes Übel abzustellen, und etwas nicht zu tolerieren,

Das meinte Sir Karl Popper; das "etwas" ist die Intoleranz innerhalb
von, z.B., faschistoid-autoritären Systemen.
Diese(!!) Intoleranz ist nicht zu tolerieren, weil diese Intoleranz
einhergeht mit Unmenschlichkeit, Rassismus, autoritärem Faschismus
(gibt es eig. nicht-autoritären Faschismus??), usw.

> dann widerspricht er sich selbst, denn er kann notwendig nicht zugleich
daraufverzichten ein gegen sich
> gerichtetes Übel abzustellen und zugleich parteilich einschreitet z.B. mit
einer Verfolgung einer Gruppe.

> Die nichtlineare Handlung den Menschen in Buchenwald eine Erniedrigung
> als Menschen zukommen zu lassen ...
>
> "Zunächst war das Lager für politische Gegner des Naziregimes,
> vorbestrafte Kriminelle und so genannte Asoziale sowie Juden, Zeugen
> Jehovas und Homosexuelle bestimmt. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges
> wurden zunehmend Menschen aus anderen Ländern interniert. Bei der
> Befreiung im April 1945 waren 95 Prozent der Häftlinge keine Deutschen.
> Vor allem nach 1943 wurden im KZ Buchenwald und in seinen insgesamt 136
> Außenkommandos KZ-Häftlinge rücksichtslos für die
Rüstungsindustrie
> ausgebeutet. Daher war Buchenwald kein Vernichtungslager mit
> industrieller Vernichtung und Verwertung wie die großen
> Konzentrationslager in Polen. Dennoch wurden viele Gefangene von der SS
> ermordet oder starben an den unmenschlichen Arbeits- und
> Lebensbedingungen. Manche Häftlingsgruppen wurden gar zur sofortigen
> Ermordung in der Genickschussanlage ausselektiert, wie etwa sowjetische
> Kriegsgefangene."
>
> ... und das mit dem klassischen Grundsatz des Rechts:
>
> 'suum cuique'  = 'Jedem das Seine' ) den zu Erniedrigenden zuzumuten als
> in Eisen geschmiedet an der Innenfort des Lagers zu lesen ist.
>
> Das Lagertor trägt die Inschrift: Jedem das Seine, welche vom
> Appellplatz aus zu lesen ist. Diese auf den ersten Blick widersinnige
> Inschrift war gezielt gewählt.

Was sonst;-)?!

> *Sie sollte die Inhaftierten täglich im negativen Sinne daran erinnern,
> dass sie nur das bekommen, was sie verdienen.*

Verdienen enthält 'dienen'. Und unter 'Dienen' verstanden die Macht-
haber im dritten Reich die "Sklavenarbeit", die ihrer Meinung nach
nur "Untermenschen" wie Slaven, Juden, Bolschewiken, Roma,
Zigeuner etcr."verdient" hätten.

> Buchenwald war das einzige Konzentrationslager, das diese Inschrift
> trug. Sie wurde vom Bauhaus-Architekten Franz Ehrlich, der bis 1943
> selbst in Buchenwald inhaftiert war, auf Befehl der Nationalsozialisten
> entworfen. Ehrlich wählte hierfür eine als entartet eingestufte
> Schriftart des Bauhauses, was jedoch der Lagerleitung nie auffiel.

_snip_

> .. zu begründen, das war pervers.

Du meinst wohl, diese Vorgangsweisen rechtzufertigen?

> Es pervertierte das, das des Einen ist, indem Menschen in Perverssion
> daran glauben, dass Anders-Denkende nichtlinear bestimmt werden müssen.
> Nichtlinear deswegen, weil die perversen Bestimmer selbst nicht bestimmt
> werden wollen von Andersdenkenden.
>
> <doormann.org/00.htm>
>
> Nicht das Lineare, das man kennt aus dem GG: "Alle Menschen sind vor dem
> Gesetz gleich. Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Niemand darf
> wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner
> Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen
> oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.
> Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Die Freiheit
> des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und
> weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. Jeder hat das Recht,
> seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten
> und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten."

> Jede Interferenz des Einen mit dem Anderen entsteht aus dem Anspruch des
> Einen sich dem des Anderen zu bemächtigen,

Du sprichst von Manipulationen, Raub und Vergleichbaren, oder?

> und es sind exakt die hier im GG genannten Punkte, die der Eine nicht anerkennt.

> Und vice versa.

> Wenn gesagt ist, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind, dann ist
> damit auch - linear - gesagt, das alle Menschen und jeder Mensch die
> gleiche Freiheit haben oder hat, aber auch, daß alle Menschen und jeder
> Mensch ihre oder seine *eigene* Verantwortung haben für ihr Handeln.
> Niemand kann ihnen diese Verantwortung abnehmen und niemand kann ihnen
> oder ihm eine Verantwortung anlasten für ein Tun, das nicht das Seine ist.
>
> Paramahansa Yoganada:
> "Schicksal, Karma, Bestimmung, - nenne es wie Du willst - es gibt ein
> Gesetz der Gerechtigkeit, das irgendwie, aber nicht durch Zufall, über
> uns bestimmt, über unsere physikalische Struktur und einige von unseren
> geistigen und emotionalen Zügen".

Vielleicht gibt es ja eine "göttliche Instanz", was aber noch nicht
bewiesen ist;-)?

Wenn mir aber wer von "Das_ist_Dein_Schicksal" spricht, dann frage ich
mich als Mensch, der noch zu halbwegs eigenständigem Denken fähig
ist: Wer oder was, welche Menschen oder "Instanzen", haben mir das
"geschickt"? Und meistens stellt sich heraus, daß es zum Großteil
die
Ego - Interessen von Menschen waren, die dafür verantwortlich waren.
(Ausnahmen bestätigen die Regel!)

Oder: um es in B. Brecht'scher Sprache zu formulieren: das Schicksal
kommt nicht von alleine, wie der Regen oder der Sonnenschein, nein,
es wird von denen gemacht, die einen Nutzen davon haben.

Als Abschluß noch meine persönliche Version:

Oft sagten Menschen zu mir: wir wollen alle doch nur "Dein Bestes".
Und dann warns immer echt angfressn, wenn sie's net kriagt haben;-).

mfG
Klaus Peter

p.S.: Volker, könntest Du bitte im Text- statt HTML - Format schreiben,
dann würden uns beim Lesen die Sonderzeichen für Umlaute, scharfes ß,
etcr. erspart bleiben. Das meiste in diese Re-Mail habe ich in "nur-Text"
umgewandelt.


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